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Online - Petitionen / Online - Umfragen 2018: Manipulation & Kritik: Sind Petitionen zunehmend manipulierte "Adresssammelmaschinen" für Spendenmailings einer Petitionsindustrie?


Online - Petitionen / Online - Umfragen 2018: Manipulation & Kritik: Sind Petitionen zunehmend manipulierte "Adresssammelmaschinen" für Spendenmailings einer Petitionsindustrie?



Noch vor wenigen Jahren hielt ich Internet-Petitionen für gute und sinnvolle Instrumente in politischen Auseinandersetzungen. Inzwischen bekomme ich wöchentlich viel zu viele Anfragen, "wichtige" Petitionen an die regionalen BUND-Newsletter weiterzuleiten.

Mittlerweile gebe ich nur noch die wenigen, wirklich wichtigen Petitionen weiter, denn häufig sind sie nur noch leicht manipulierbare "Adresssammelmaschinen" für Spendenmailings einer Petitionsindustrie.

Laut Süddeutscher Zeitung erreichen täglich(!) etwa 60 Petitionen den Petitionsausschuss des Bundestages, der seit 2005 online zu erreichen ist..

Online - Petitionen & Online - Umfragen werden massiv manipuliert
Es gibt immer mehr Computerprogramme, die sich wie Bürger gerieren, aber massenhaft Stimmen abgeben und so massiv in die Meinungsbildung im Netz eingreifen. Trollbots können in kurzer Zeit tausende Beiträge automatisiert absetzen. "Bots prägen längst das Stimmungsbild im Netz," schreibt die Süddeutsche Zeitung. "Oft ist nicht mehr auszumachen, wer eigentlich spricht. Soziale Netzwerke sind zu sozialen Botparks geworden, in denen sich Software mit Software unterhält. Die Bots von echten Nutzern zu unterscheiden, wird immer schwieriger, langfristig wird das die Sprechakte in der digitalen Welt weiter entwerten. Und durch fortlaufende Neuentwicklungen auf dem Feld der künstlichen Intelligenz werden die Bots nicht nur immer mehr, sondern auch immer raffinierter formulierte Inhalte generieren. Im schlimmsten Fall hat ein Bot nicht nur eine Fantasie-Identität, sondern spricht im Namen eines realen Menschen."

Windradgegner manipulieren Online-Umfragen
Wie manipulationsanfällig Online-Umfragen sind, zeigte eine Abstimmung in der Bayerischen Staatszeitung im Januar 2018.
Gut organisierte Windradgegner hatten mit Trollbots eine Umfrage zum Thema "Windräder" massiv manipuliert.
Die Bayerische Staatszeitung wurde auf die Manipulation hingewiesen und bestätigte den Einsatz von manipulierenden Robotern auf die Abstimmung. Das Ergebnis wurde berichtigt.


„Es ging ganz einfach, erklärt ein Kritiker von Online Umfagen der taz. An seinem PC-Browser deaktiviert er am 18. Mai 2017 die Speicherung von Cookies und stellt dann fest, dass er so bis zu 30 Stimmen abgeben kann. Startet er den Router neu und erhält somit eine neue IP-Adresse, kann er wiederum 30-mal votieren.
Nach einer guten Stunde, so schreibt er in einer Dokumentation, hat er 182 Stimmen abgegeben und damit das Voting-Ergebnis kräftig verändert."


In den USA wurde im Dezember 2017 über die Abschaffung der Netzneutralität abgestimmt. Wie eine Untersuchung herausgefunden hat, wurde die Seite der Federal Communications Commission von 1,3 Millionen Fake-Kommentaren überschwemmt. Offenbar stammen jedoch alle Kommentare von einer einzigen Quelle, die diese maschinell generierte. Insgesamt wurden 22 Millionen Kommentare gepostet, doch offenbar stammten nur knapp 800.000 davon von echten Nutzern. Von diesen sprachen sich 99 Prozent für eine Beibehaltung der Netzneutralität aus. Ein Teil der von sogenannten Trollbots verfassten Fake-Kommentare waren sogar unter Angabe von Klarnamen verfasst waren, enthielten jedoch die gleiche Aussage mit meist nur minimalen Wortänderungen. Quelle: Wired


Es gab und gibt selbstverständlich auch einzelne, wichtige Online-Petitionen,
doch sie sind zwischenzeitlich die Ausnahme. Die Zweifel an der unsinnigen und manipulierbaren Petitions-Flut wachsen zunehmend. Die Umweltbewegung, die Sozialen Bewegungen aber auch die Medien selber sollten sich stärker mit diesem wichtigen Thema auseinander setzen und Manipulation verhindern.

Wir sollten auch deutlich sagen, dass sich die Welt mit Ablass-Klicks am Computer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht retten lässt.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Vizepräsident Atomschutzverband, Kreisrat

















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Dieser Artikel wurde 593 mal gelesen und am 28.1.2018 zuletzt geändert.