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Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm: Naturschutz & Hochwasserschutz & lokale Egoismen

25.02.2017

Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm: Naturschutz & Hochwasserschutz & lokale Egoismen


Eines der Hauptkonfliktfelder des Integrierten Rheinprogramms sind die Ökologischen Flutungen, ein zentraler Naturschutz-Aspekt des IRP. Während die Experten von Alsace Nature, BUND, NABU und die Fachleute des Aueninstituts diese Maßnahmen einhellig begrüßen, wird entlang des Rheins massiv Stimmung dagegen gemacht. Kiesindustrie & die Paten der Kiesindustrie in der Politik, Jogger, Landwirte, Sportvereine und andere Nutzer der Auen verstecken ihre Interessen hinter vorgeschobenen ökologischen Argumenten. Wir erleben es zur Zeit immer öfter, dass Einzelpersonen, Naturnutzer und Gruppen in den großen Topf der Ökologie hineingreifen, sich eine einzelne Art herausholen und darauf ihre Argumentation aufbauen. Doch Ökologie ist mehr, Ökologie ist immer auch die Lehre von den Zusammenhängen. In einigen Gebieten am Rhein hat sich aus der Wechselwirkung zwischen örtlichen Bürgerinitiativen und Medien eine "lokale Insel-Wahrheit", ein undurchdringlicher "Echoraum" der eigenen Meinung herausgebildet.


Das Integrierte Rheinprogramm (IRP)
soll nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, es ist auch eines der ganz großen Umwelt- und Naturschutzprojekte in Baden-Württemberg. Der dringend notwendige Hochwasserschutz für die Menschen am Rhein soll mit großflächiger Auenrenaturierung verbunden werden und ist so eine Chance für mehr Natur entlang des Rheins. Ein unerlässlicher Bestandteil des IRP sind Ökologische Flutungen. Mit ihnen soll der dynamische Wechsel zwischen niedrigen und hohen Wasserständen in den ehemaligen Rheinauen ein Stück weit wieder hergestellt werden. Nur so können Flora und Fauna an kommende Hochwassersituationen angepasst werden. Nur die Ökologischen Flutungen bieten die Chance, dass aus den geringen Resten an Natur, die der Mensch dem Fluss gelassen hat, wieder Auewälder werden. Doch seit einiger Zeit begleitet zunehmender Widerstand das Rheinprogramm und insbesondere die Ökologischen Flutungen. Überall, wo Polder geplant werden, und wo die Gemeinden viel zu nahe am Rhein Siedlungen gebaut haben, sind Bürgerinitiativen gegen die Planungen und insbesondere gegen die Ökologischen Flutungen aktiv. Argumentiert wird "ökologisch". Doch die Angst vor nassen Kellern, vor Schnaken, Schlamm, “Unordnung“ und Wildnis im Wald stehen im Hintergrund dieser Argumentation.

Ordnung & Sauberkeit contra „wilde“ Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz am Oberrhein und im Schwarzwald schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten Garten, in dem kein Vogel mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte um den Nationalpark Nordschwarzwald oder um die Ökologischen Flutungen beim Integrierten Rheinprogramm sind von solchen Ängsten geprägt. Ein Wald, der sich „ungeplant und nicht von Menschen gesteuert“ verändert, eine neu entstandene Kiesbank nach einem Hochwasser im Taubergießen... Solche Veränderungen oder gar „Wildnis“ lösen tiefsitzende Ängste aus.
Hier könnten die örtlichen Medien aufklären, doch häufig verstärken sie die geschickt geschürten Ängste vor Veränderung und Natur.


Dort, wo die ersten Polder schon realisiert sind
(zum Beispiel in Altenheim), sorgen leistungsstarke Pumpen dafür, dass das Grundwasser nicht steigt. Schäden bei heutigen Hochwässern sind "höhere Gewalt", das heißt, wenn entgegen allen Annahmen in Zukunft Schäden auftreten, dann müsste der Staat die Folgekosten tragen und nicht die Anwohner. Wirtschaftliche Interessen stecken leider auch häufig hinter den Widerständen. Die Kieswirtschaft und ihre Paten in der Politik befürchten durch die Ökologischen Flutungen im zerstörerischen Kiesabbau entlang des Rheins, nördlich von Breisach, eingeschränkt zu werden. Der Widerstand der Kiesindustrie gegen die Ökologischen Flutungen war bisher noch kein Thema in den örtlichen Medien

Ökologische Schlutenlösung
Manche Bürgerinitiativen bringen als Alternative zu den Ökologischen Flutungen eine "Ökologische Schlutenlösung" ins Gespräch. Die ehemaligen, teilweise trocken liegenden, alten Rheinarme sollen ausgebaggert und zu ständig fließenden Bächle werden. Angedacht ist die Erweiterung der bereits vorhandenen Schluten und Öffnung und Durchflutung früherer Altrheinarme. Info der BI Breisach Aus Sicht des Naturschutzes ist die eher eine "Stadtparklösung", die mit echter Auenrenaturierung und Naturschutz wenig zu tun hat.

Ökologische Flutungen, Querriegel und die VertreterInnen der „reinen Lehre“

  • Wer „nur“ den technischen Hochwasserschutz sieht, muss möglichst hohe Querriegel, Dämme und maximale Einstauhöhen fordern.
  • Wer „nur“ auf Naturschutzaspekte achtet, verwirft alle Querriegel und fordert das freie fließendes Wasser in den Auen.


Und doch müssen wir Hochwasserschutz mit Naturschutz verbinden und das bedeutet eben Kompromisse.


Kieslobbyisten, Gruppen und Bürgerinitiativen,
die aus vielfältigen Gründen die Ökologischen Flutungen und damit die Naturschutzaspekte des IRP ablehnen, greifen immer wieder Teilargumente einzelner Vertreter der „reinen Lehre“ des Naturschutzes auf und missbrauchen diese, um die ökologisch sinnvollen und notwendigen Flutungen zu verhindern.
Wer den Wegfall oder niedrigere Querriegel fordert (was aus Naturschutzsicht durchaus sinnvoll wäre), der muss auch Dammrückverlegungen fordern und durchsetzen, damit die gleiche Menge Wasser für den Hochwasserschutz zurückgehalten werden kann.

Die großen Naturschutzverbände haben Kompromisse akzeptiert, um den dringend notwendigen, schnellen Hochwasserschutz nicht zu behindern.


Alsace Nature,
die große elsässische Dachorganisation steht voll und ganz hinter dem Konzept der Ökologischen Flutungen, wie Daniel Reininger, Präsident von Alsace Nature bei einer Tagung im Januar 2017 in Breisach erklärt hat.

Auch BUND, NABU, LNV, AK-Wasser und Aueninstitut
stehen dazu, dass beim IRP Hochwasserschutz und Naturschutz verbunden werden müssen. Und das geht eben nur mit den notwendigen Ökologischen Flutungen. Besonders wichtig ist dabei die Meinung von Experten wie Emil Dister, dem ehemaligen Leiter des Aueninstituts. Er hat über viele Jahrzehnte Auenforschung in Europa, Südamerika, Westafrika und an verschiedenen Flüssen wie z.B. Rhein, Loire, Elbe, Oder, Rio Magdalena, March und Donau betrieben.

Auch das Bundesamt für Naturschutz
schrieb in einer Presseerklärung am 1. Oktober 2003: "Auetypische Flutungen am Oberrhein sind notwendig" und weiter: “Die Hochwasservorsorge darf nicht vernachlässigt werden. Das Bundesamt für Naturschutz begrüßt deshalb, dass Länder wie Baden-Württemberg mit dem “Integrierten Rheinprogramm“ (IRP) zum Hochwasserschutz beitragen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Professor Dr. Hartmut Vogtmann. Das BfN unterstützt das IRP stromabwärts von Breisach im Hinblick auf eine naturverträgliche Hochwasservorsorge. Insbesondere werden "ökologische Flutungen im natürlichen Wechsel mit anhaltend niedrigen Wasserständen" als Voraussetzung für einen naturverträglichen Hochwasserschutz vom BfN befürwortet. Nur naturnahe Hoch- und Niedrigwasserstände vermögen in den Auen wieder die natürlichen Bedingungen für eine auetypische Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Naturnahe Überflutungsauen sind auch am besten geeignet, hohe Abflüsse zu verzögern, großräumig abzusenken und so Menschen vor Schäden zu bewahren". Zitatende
(leider fand sich diese Presseerklärung nicht in der örtlichen Presse, die um so intensiver über die Argumente der BI´s berichet)

Am 19. September 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit von Ökologischen Flutungen beim IRP bestätigt.




Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm: Naturschutz & Hochwasserschutz & lokale Egoismen





Rhein & Integriertes Rheinprogramm – IRP

Hochwasserschutz und Auenrenaturierung am Rhein - eine große Chance für Mensch und Natur




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Eines der Hauptkonfliktfelder des Integrierten Rheinprogramms sind die Ökologischen Flutungen, ein zentraler Naturschutz-Aspekt des IRP. Während die Experten von Alsace Nature, BUND, NABU und die Fachleute des Aueninstituts diese Maßnahmen einhellig begrüßen, wird entlang des Rheins massiv Stimmung dagegen gemacht. Kiesindustrie, Jogger, Landwirte, Sportvereine und andere Nutzer der Auen verstecken ihre Interessen hinter vorgeschobenen ökologischen Argumenten. Wir erleben es zur Zeit immer öfter, dass Einzelpersonen, Naturnutzer und Gruppen in den großen Topf der Ökologie hineingreifen, sich eine einzelne Art herausholen und darauf ihre Argumentation aufbauen. Doch Ökologie ist mehr, Ökologie ist immer auch die Lehre von den Zusammenhängen. In einigen Gebieten am Rhein hat sich aus der Wechselwirkung zwischen örtlichen Bürgerinitiativen und Medien eine "lokale Insel-Wahrheit", ein undurchdringlicher "Echoraum" der eigenen Meinung herausgebildet.




Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg

www.bund-freiburg.de

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Dieser Artikel wurde 916 mal gelesen und am 28.2.2017 zuletzt geändert.