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Mais, Umwelt, Gift, Dünger, Grundwasser & Greenwash: Vermaisung gefährdet Natur und Grundwasser (Fruchtfolge, Maiswurzelbohrer, Neonicotinoide, Bienen, Bienensterben...)

Mais und Umwelt



Mais, Umwelt, Gift, Dünger, Grundwasser & Greenwash: Vermaisung gefährdet Natur und Grundwasser (Fruchtfolge, Maiswurzelbohrer, Neonicotinoide, Bienen, Bienensterben...)


Nein,
es geht in diesem Beitrag nicht um ein Verbot von Mais. Wir brauchen Mais als Nahrungsmittel und eingeschränkt auch zur Rohstoff- und Energiegewinnung. Im Rahmen der globalen Raubbauwirtschaft müssen unsere Landwirte mit amerikanischen Farmern konkurieren, die auf gigantischen Flächen Mais anbauen und die Umwelt massiv zerstören.
Es geht in dieser Kritik um die Auswüchse des Maisanbaus am Oberrhein und in Deutschland, um die "Vermaisung" der Landschaft, um die Folgen der Monokultur Mais auf Mensch, Grundwasser, Umwelt und Natur.


Mais ist eine der bekanntesten
und wichtigsten Getreide-Nutzpflanzen der Welt. Ursprünglich kommt die Pflanze aus Mittelamerika, wo sie historisch als Nahrungspflanze genutzt wurde und ist damit ein der ältesten bekannten Kulturpflanzen. Mais gehört wie Zuckerrohr und Hirse zu den so genannten Hochleistungspflanzen (C-4-Pflanzen) und ist in der Lage bei warmem Klima und guter Sonneneinstrahlung besonders viel CO2 besonders in Kohlehydrate um zu wandeln.


Mais und Umwelt


Mais wird als Nutzpflanze vor allem zur Ernährung des Menschen und als Futterpflanze angebaut. Immer größer wird die Bedeutung von Mais als Energiepflanze zur Herstellung von Biokraftstoffen (Bioethanol) und als Energiemais zur Herstellung von Maissilage als Biogassubstrat.

Der zunehmende Maisanbau, Genmais und der mit der Monokultur verbundene Gift- und Düngemitteleinsatz führt allerdings auch zu massiven Problemen für Mensch, Natur und Umwelt.


Wir wollen hier einige wichtige Argumente zusammentragen:

- Mais erobert Wiesenstandorte
Mais verträgt mehr Feuchtigkeit als die traditionellen Getreidearten der Alten Welt. Darum erobern Maisäcker Standorte, die traditionell als Wiesen genutzt wurden, z.B. in Flußauen - mit katatstophalen Folgen für Klima (Kohlenstofffreisetzung nach Grünlandumbruch), Artenvielfalt und Grundwasser (Dünger, Herbizide)

- Mais bedeutet Herbizideinsatz
Weil er sehr spät aufläuft, muss Mais sich gegen Beikräuter, die früher dran sind, durchsetzen. Dazu braucht er Unterstützung, und die bekommt er (außer im Bio-Anbau, wo mechanisch gearbeitet wird) durch Boden-Herbizide. Das hauptsächlich im Maisanbau eingesetzte und seit über 20 Jahren verbotene Atrazin ist immer noch im Grundwasser nachweisbar. Auch modernere Herbizide werden häufig im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen

- Mais bedeutet hohe Stickstoffdüngung
Mais produziert in kurzer Zeit sehr viel Biomasse und braucht dafür sehr viel Stickstoff - mineralisch oder als Gülle. Obwohl Mais viel Stickstoff aufnehmen kann, geht bei der Düngung viel daneben. Die Nitrat-Berichte des Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass Mais zu den Kulturen mit den höchsten Nitratgehalten im Boden/Grundwasser gehört.

- Mais auf Mais fördert Schädlinge und provoziert Insektizideinsatz
Enge Fruchtfolgen mit häufigem Maisanbau, insbesondere der jahrelange Anbau von Mais nach Mais, fördert Schadinsekten wie Maiszünsler und Fritfliege, in jüngster Zeit auch den eingeführten Maiswurzelbohrer. Die Folge ist der Einsatz von Insektiziden (als Spritz- oder Beizmittel) mit teilweise katatstrophalen Folgen für die Begleitfauna.

Genmanipulierter Mais – Alternative zum Gift?
Monsanto und andere Saatgutkonzerne werben für genmanipulierten Mais mit dem Argument, dadurch lasse sich der Einsatz von Insektiziden vermeiden oder vermindern. In der EU ist die Sorte MON 810 zugelassen (in Deutschland, Frankreich und weiteren Staaten gelten jedoch derzeit nationale Verbote), weitere Zulassungsanträge sind gestellt. Diese genmanipulierten Maissorten produzieren in jeder Zelle Insektizide, die dann in Nahrungs- und Futtermitteln vorhanden sind. Diese Insektizide wirken nicht artspezifisch – was den Maiszünsler umbringen soll, tötet auch andere Schmetterlinge, was gegen den Maiswurzelbohrer gedacht ist, auch andere Käfer. Die Insektizidmenge, die ein GVO-Maisacker produziert, ist um ein Vielfaches höher als die, die ein Landwirt auf derselben Fläche spritzen dürfte. Und schließlich: Genveränderte Pflanzen führen dazu, dass die Ernährungsgrundlagen der Menschheit in den Händen weniger Konzerne monopolisiert werden.

Mais Greenwash bei der Landesgartenschau in Lahr
Greenwash ist eine Werbemethode, die darauf zielt, einem Unternehmen oder Produkt, das umstritten oder problematisch ist, in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu verleihen.

Peter Steiert, ein BUND-Aktiver aus Herbolzheim, hat uns im Jahr 2018 Bilder von der Landesgartenschau in Lahr geschickt. Sie zeigen zwei Plakate vor einem Maisfeld, auf denen behauptet wird, Mais böte bedrohten Arten einen geschützten Lebensraum. Dies mag in einigen wenigen, seltenen Fällen (Triel) zutreffen, doch generell ist der Maisanbau ein massives Problem für die biologische Vielfalt und das Grundwasser. Die Mais-Werbeplakate lenken nach BUND-Ansicht gezielt von den vielfältigen Problemen ab, die der Maisanbau bringt. Sie passen auch gut zu den PR-Plakaten „Mais zum Durchatmen“ am Rande vieler Maisfelder. Danach soll ein Hektar Mais den Jahresbedarf an Sauerstoff für 50 bis 60 Menschen schaffen. Das ist zwar hübsch, aber ablenkend, denn es gibt keinen Sauerstoffmangel auf der Welt. Nischen werden überbetont, um die tatsächlichen Problemen zu verschleiern.



Demo gegen Bienenvergiftung in Freiburg

Ein extremes Beispiel war das massive Bienensterben im Jahr 2008, ausgelöst durch die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit der Saatgutbeize Poncho. Rund 11.500 Bienenvölker waren betroffen, das heißt, sie wurden durch das falsch angewendete Pflanzenschutzgift des Herstellers Bayer CropScience entweder dezimiert oder ganz vernichtet

Maiswurzelbohrer: Fruchtfolge statt Gift, Genmais, Bienensterben und Grundwasserbelastung
Seit Jahren haben wir in Europa massive Probleme mit dem aus den USA eingeschleppten Maiswurzelbohrer. Die Bekämpfung des eingeschleppten Schädlings führte 2008 zur massiven Bienvergiftung am Oberrhein. Die Problemgifte aus der Gruppe der Neonicotinoide führen auch heute noch zu einer schleichenden Bienen- und Umweltvergiftung. Bis vor Kurzem war der Maiswurzelbohrer ein EU-Quarantäneschädling, d.h., die vom BUND geforderte ökologisch und ökonomisch sinnvolle Fruchtfolge war vorgeschrieben. Seit 2014 ist der Maiswurzelbohrer kein EU-Quarantäneschädling mehr und darum wurde die Fruchtfolgeverpflichtung aufgehoben.


Wegfall der Fruchtfolge kann bedeuten:
Mehr Vermaisung, mehr Monokultur, mehr Maiswurzelbohrer, mehr Gift und Nitrat.

Nach Ansicht des BUND sollte nach dem Wegfall der EU-Quarantäneverordnung jetzt unbedingt die Möglichkeit genutzt werden, nach dem PflSchG im Maiswurzelbohrer-Befallsgebiet Fruchtfolgemaßnahmen auf Landesebene anzuordnen, auch ohne Verpflichtung durch die EU.

Die Vermaisung (für Biogasanlagen) könnte ein Ende haben
schrieb am 4.5.2012 Bernward Janzing in der TAZ. "Biogas aus Wildpflanzen ist wirtschaftlich genauso attraktiv wie Biogas aus Mais. Der Einsatz von naturnahen Kulturen hätte auch ökologische Vorteile. Bereits im Jahr 2009 hatte die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim erste Versuchsflächen eingerichtet, auf denen eine Saatgutmischung aus 25 verschiedenen Pflanzenarten ausgebracht wurde. Im Jahr darauf ging es dann los: 25 Hektar in fünf verschiedenen Bundesländern wurden mit Wildblumen bestellt, im Jahr 2011 folgten weitere 200 Hektar in zwölf Bundesländern. Die Erfahrungen: Die Flächen lassen sich mit herkömmlicher Landtechnik bewirtschaften, und die Erträge der Blumenwiese erreichen 50 bis 70 Prozent des Referenzertrags eines Maisfeldes. Trotz des geringeren Ertrags sei die Blumenwiese dem Mais wirtschaftlich mindestens ebenbürtig, sagt Jochen Goedecke von der Modellprojekt Konstanz GmbH, die eines der Wildpflanzenprojekte in der Bodenseeregion betreut. Denn der geringeren Ausbeute pro Hektar stehen beträchtliche Einsparungen gegenüber: Zum einen werden die Pflanzen nur einmal ausgesät, ehe fünf Jahre lang geerntet wird – das spart Saatgut und Maschinenzeiten. Zum anderen entfallen die Kosten für Dünge- und Spritzmittel, weil die Wildpflanzen ohne Agrochemie auskommen." Zitatende

Eine Möglichkeit die massiven Folgeschäden des Maisanbaus
zumindest zu verringern wäre eine konsequente Fruchtfolge. Leider hat die "Verordnung zur Nichtanwendung der Verordnung zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers" (ein unglaubliches Wortungetüm) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 24.02.2014 dazu geführt, dass die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Fruchtfolge für den Mais nicht mehr vorgeschrieben ist.
Jetzt wird der Maiswurzelbohrer wieder zunehmen, die Agrar-Lobby wird nach mehr Gift schreien und wenn das Kind wieder im (vergifteten) Brunnen liegt, kommt die dringend notwendige Fruchtfolge mit der ortsüblichen Verspätung.
Axel Mayer, BUND Geschäftsführer



Mais, Landwirtschaft, Nitrat und Grundwasser am Oberrhein



Dank!


Mein Dank geht an meinen BUND-Kollegen Gottfried May-Stürmer. Seit Jahrzehnten arbeitet er klug, engagiert und mit Biss für eine umweltfreundliche, nachhaltige Landwirtschaft.












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Dieser Artikel wurde 11569 mal gelesen und am 9.7.2018 zuletzt geändert.