05.06.2008
Mais, Maiswurzelbohrer, Bienen und Grundwasser: Pleiten, Pech und Umweltbelastung
Nach der Bienenvergiftung im Frühsommer 2008 am Oberrhein, ausgelöst durch die Bayer - Saatgutbeize Clothianidin (Poncho Pro) gegen den Maiswurzelbohrer, wurde zumindest ein Teil der Imker jetzt mit 2 Mio. Euro entschädigt.
Dies ist nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit meint BUND Geschäftsführer Axel Mayer vom BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, einer der am stärksten betroffenen Regionen. Nicht entschädigt und eigentlich auch nicht entschädigbar sind die Verluste an anderen Wildtieren und eventuelle Schäden auch im Obstbau.

Bienensterben = Bienenvergiftung
Zur Zeit werden öffentlich nur die Probleme dieses Jahres diskutiert, doch die kurze Geschichte des Maiswurzelbohrers in Südbaden und dem Elsass ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Umweltbelastungen, die der BUND seit dem ersten Auftreten des „Jet Set Beetle“ am Euroairport Basel Mulhouse kritisch begleitet hat. hier: mehr Infos Maiswurzelbohrer
Als der Käfer im Jahr 2003 im Elsass erstmalig gesichtet wurde versprühten Hubschrauber 1,5 Tonnen des Gifts "Karate". Hinter dem Begriff Karate verbergen sich die besonders giftigen Pyrethroide. Beim Menschen lösen sie Übelkeit, Herzrasen und Atembeschwerden aus. In „abgespritzten“ Kleingewässern starben die Fische. Aufgebrachte Menschen im Elsass veranstalteten mit aufgespannten Schirmen eine Kundgebung gegen die Giftdusche.
Eine massiver Gifteinsatz zur Abwehr des Käfers an der deutschen Grenze hat, wie vom BUND nicht anders erwartet, nichts gebracht. Im Jahr 2007 wurden die ersten Exemplare des Maiswurzelbohrers auf der badischen Rheinseite entdeckt und mit dem umstrittenen Insektengift Biscaya bekämpft. Biscaya wurde in einem Notverfahren am 31.7.2007 erst für den Einsatz gegen den Maiswurzelbohrer zugelassen.. Es gibt ein Verbot des menschlichen Verzehrs bei drei Spritzungen...
Einen kritischen Beitrag von der Internetseite des Imkerbundes zum Thema Saatgutbeize Clothianidin unter der Überschrift „Der Maiswurzelbohrer kommt, die Biene geht?“ vom 6.03.2004 hatten auch wir vor Jahren auf unserer Seite veröffentlicht. Die Behörden, Politiker, aber auch die Landwirte hätten gewarnt sein müssen...doch der Einfluss der Agrochemielobby ist „ein wenig ausgeprägter“ als der der Umweltorganisationen.
Vorbild Schweiz?
Dort wurde und wird der Maiswurzelbohrer ohne Gifteinsatz mit Fruchtfolge bekämpft. Eine erweiterte Fruchtfolge ist eine wirksame und nachhaltige Bekämpfungsmaßnahme. Die Vermeidung des Anbaus von Mais nach Mais führt beim Schlupf der überwinterten Eier im Frühjahr dazu, dass die auf Mais angewiesenen Larven keine Nahrung vorfinden und absterben. Im Elsass und in Baden brächte eine Fruchtfolge ohne Entschädigung wirtschaftliche Probleme für die Landwirte, die stark auf die Monokultur Mais ausgerichtet sind. Daran ist vor allem eine verfehlte Subventionspolitik in der Vergangenheit schuld: Bis zur Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion im Jahr 2005 wurde von der EU für Maisanbau mehr Geld bezahlt als für jede andere Kultur. In der Schweiz erhalten die Landwirte für gute Produkte mehr Geld als in der EU. Das ermöglicht auch sinnvolle Maßnahmen wie Fruchtfolgen. Die zwischenzeitlich stark verbesserte Erzeugerpreise für Getreide und anderen Feldfrüchten in Deutschland sollten eine Fruchtfolge auch bei uns möglich machen, auch wenn die am Maiswurzelbohrer gut verdienende Chemieindustrie gerne anderes erzählt.

Fruchtfolge statt Bayergift
Warum diese Unterschiede von Land zu Land am Oberrhein?
In einer Richtlinie der EU wird der Maiswurzelbohrer unter den Schadorganismen als sogenannter Quarantäneschadorganismus eingestuft. Danach muss im Befallsjahr eine Befallszone von mindestens einem Kilometer Radius rund um ein Feld, in dem der Schadorganismus festgestellt wurde, und eine Sicherheitszone von mindestens fünf Kilometer Radius um die Befallszone ausgewiesen werden. Die umweltschädlichen Bekämpfungsmaßnahmen sind auf diese EU-Richtlinie zurückzuführen, die eine Zurückdrängung des Maiswurzelbohrers erreichen will.
Doch die Annahme einer möglichen Ausrottung
ist unrealistisch. Aus den USA eingeschleppt, vermutlich durch ein Flugzeug im Rahmen der letzten Balkankriege, ist der Schädling in Osteuropa und Österreich nicht mehr ausrottbar und breitet sich aus. Auch in der Schweiz hat der Maisschädling die Alpen überschritten. "Militärisch anmutende, umweltschädliche Abwehrschlachten mit Insektiziden und giftigen Beizen können das Auftreten des Käfers verzögern, aber nicht verhindern," sagt BUND Geschäftsführer Axel Mayer.
Der Maiswurzelbohrer sollte nach Ansicht des BUND
mit Fruchtfolgen bekämpft werden, wie dies auch in der Schweiz geschieht. Wenn Minister Hauk dem widerspricht, dann zeigt sich darin ein rückwärtsgewandter Fortschrittsglaube.
Der BUND hatte bereits in der Vergangenheit
auf die Folgen des bisherigen Dünger- und Pestizideinsatzes beim Maisanbau und auf die massiven Folgen und Belastungen für das Grundwasser hingewiesen. mehr Infos hier
Während Bienen vergiftet wurden
und das Grundwasser belastet wird, blickt die "Pflanzenschutz"-Industrie in Deutschland auf ein gutes Geschäftsjahr 2007 zurück. Der Inlandsumsatz der Mitgliedsfirmen stieg 2007 gegenüber dem Vorjahr um fast 11 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro, die abgesetzte Giftmenge um rund neun Prozent auf 32.213 Tonnen.
Weltweit wird die chemische Keule wieder hemmungslos geschwungen.
Global wurden im Jahr 2007 Pestizide im Wert von rund 33,2 Milliarden Dollar verkauft, 7,8 Prozent mehr als 2006. Die Pestizidumsätze der weltgrößten Agrochemie-Konzerne stiegen in diesem Zeitraum zwischen 8 und 15 Prozent
„Das Geschäft mit Pestiziden macht wieder Spaß", findet Hans Theo Jachmann, Deutschland-Chef von Syngenta, der weltweiten Nummer 2 des Pestizidmarktes, in der Tageszeitung „Die Welt“. Dem BUND machen diese giftigen Geschäfte keinen Spaß.
Die 2 Millionen "Entschädigung" für die Imker (die mit einem Maulkorb verbunden ist) zahlt Bayer aus der Portokasse.
In Baden-Württemberg haben wir manchmal den Eindruck
die Landwirtschaftspolitik des Landes wird nicht im Landwirtschaftsministerium bei Herrn Hauk gemacht wird, sondern bei Bayer, Syngenta und Co.
Schon der bisherige Anbau von Mais in der Rheinebene
zeigt sich in einer flächenhaften Nitrat-Belastungsfahne im Elsass und in Südbaden. Durch die weitere chemische Bekämpfung des neuen Schädlings auf Grund nicht mehr zeitgemäßer EU-Erlasse könnte sich dieses Problem noch weiter verschärfen. Der verstärkte Pestizideinsatz und das Bienensterben, für das die Saatguthersteller die Verantwortung tragen, hat die Akzeptanz für die Maismonokulturen, nicht nur am Oberrhein, noch weiter gesenkt.
Axel Mayer / BUND Geschäftsführer
hier:mehr Infos Grundwasser
hier: mehr Infos Maiswurzelbohrer
Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg
www.bund-freiburg.de