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Laufzeitverlängerung AKW / KKW? Gefahren, Risiken und satte Profite

Laufzeitverlängerung für AKW – Gefahr für Mensch und Umwelt



Laufzeitverlängerung und neue AKW


Aktuell:


Die AfD ist die neue Atompartei in Deutschland

Es gibt viele Gründe, die AfD ("Alternative" für Deutschland) nicht zu wählen. In der Debatte um die AfD wird ihre gemeingefährliche Energiepolitik gerne übersehen.

Die rechtspopulistische, industrienahe Partei AfD spricht sich im Jahr 2017, trotz Fukushima und Tschernobyl, für den Fortbestand der Atomenergie aus und leugnet den Klimawandel. Sie will eine erneute Gefahrzeitverlängerung der Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke und bekämpft die zukunfstfähigen erneuerbaren Energien noch stärker als die FDP.

In ihrem Wahlprogramm fordern Sie unter anderem:
"Die bestehenden Kernkraftwerke wollen wir nicht vor Ende ihrer Nutzungsdauer außer Betrieb nehmen. [...]

Im Einzelnen fordern wir:
[...]
  • Laufzeit sicherer Kernkraftwerke muss sich nach der technischen Nutzungsdauer richten
  • verwertbare Kernkraftwerk-Reststoffe müssen für das Recycling rückholbar gelagert werden
  • zur Erhaltung der kerntechnischen Kompetenz, ist eine umfangreiche Beteiligung an internationalen Forschungsprojekten sicherzustellen"


Mehr aktuelle Informationen zur Atom- und Kohlepartei AfD, die zugleich den Klimawandel leugnet finden Sie hier.









Es folgt ein etwas veralteter, aber zeitgeschichtlich durchaus relevanter Text:


Die Atomindustrie und ihre FDP-CDU-Lobbyisten in den Parlamenten
wollen die alten Atomkraftwerke länger laufen lassen und damit gut verdienen. Langfristig sollen auch neue AKW gebaut werden.


Skandalöse Entscheidung
Die schwarz-gelbe Atomkoalition hat am 28.10.2010 die Forderung der Atomkonzerne EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON erfüllt und und im Bundestag eine Verlängerung der Gefahrzeiten für die deutschen Atomkraftwerke durchgewunken. Der schon zuvor bekannt gewordene Geheimvertrag zwischen der CDU / CSU / FDP Regierung und den Atomkonzernen zeigt beinah mafiös anmutende, demokratiegefährdende Verstrickungen zwischen CDU / CSU / FDP und den Konzernen.

Die Bundesregierung verlängert die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre. Bleibt es bei dieser skandalösen Entscheidung, dann geht das letzte deutsche AKW frühestens 2040 vom Netz. Es ist zu erwarten, dass die AKW noch länger betrieben werden sollen un dies nach dem Prinzip der Salamitaktik durchgesetzt werden soll. Die Entscheidung bedeutet mehr Atommüllproduktion, mehr Kinderkrebs in der Umgebung von Atomkraftwerken und insbesondere mehr atomares Risiko durch überalterte Atomanlagen. Es bedeutet aber auch satte Profite für die Atomkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit.
Der riskante Betrieb von Atomkraftwerken funktioniert nur in Ländern, in denen die politisch Verantwortlichen nicht damit rechnen müssen, im Falle eines schweren Unfalls zur Rechenschaft gezogen zu werden.


Laufzeitverlängerung für AKW / KKW und Terror: Die verdrängte Gefahr


Für die Energieversorger und Atomkonzerne

kam mit dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb eine Traumkoalition an die Regierung. Sowohl Union als auch FDP haben in ihren Wahlprogrammen den Ausstieg vom Atomausstieg angekündigt und den Willen der Atomkonzerne durchgesetzt. In beiden Parteien sind die Vertreter eines rückwärtsgewandten Fortschrittsglaubens stark. Und das bedeutet für E.ON, RWE, ENBW und Vattenfall vor allem eins: ein unglaublicher Geldsegen. Denn die Kernreaktoren, mit denen sie Strom produzieren, sind bereits abgeschrieben – je länger sie noch laufen, desto höher der daraus resultierende Gewinn der Konzerne und unser atomares Risiko.

Auf mindestens 119 Milliarden (falls die Strompreise auf aktuellem Niveau verharren) wenn nicht sogar 233 Milliarden Euro (bei steigenden Strompreisen) schätzt die LBBW in einer Studie die zusätzlichen Einnahmen der Versorger

Über "Randaspekte" dieser Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke wird in der Öffentlichkeit sehr intensiv diskutiert.
Die beiden wichtigsten Aspekte dieser Debatte, die mit der AKW-Laufzeitverlängerung verbundene zunehmende Gefahr katastrophaler Unfälle und die mit langen Laufzeiten verbundenen satten Gewinne der Energiekonzerne, fallen in dieser Debatte und der Medienberichterstattung zumeist unter den Tisch und dies hat seine Gründe.


Laufzeitverlängerung AKW / KKW? Gefahren, Risiken und satte Profite


Die Atomkonzerne EnBW, E.ON, Vattenfall und RWE
haben Werbeagenturen beauftragt, die Laufzeitverlängerung in den Medien, der öffentlichen Meinung und politisch durchzusetzen, aber auch um den Neubau von AKW, zuerst einmal in Frankreich und in der Schweiz, zu forcieren. Auch die als Journalisten getarnten Atom- und Gentechniklobbyisten Maxeiner und Miersch trommeln in konservativen Medien für die Gefahrzeitverlängerung.

Maxeiner und Miersch haben vor Fukushima massiv für die Gefahrzeitverlängerung von AKW geschrieben. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima schrieben die beiden Atom-Lobbyisten am 19.5.2011 in „Der Welt“: „Der unumkehrbare Atom-Ausstieg ist das größte Risiko“.

Eine der größten PR-Firmen der Welt, Burson Marsteller,
hat im Auftrag der Öl- und Kohleindustrie jahrelang Kampagnen zur Verharmlosung des Klimawandels organisiert. Jetzt arbeitet Burson Marsteller für die Atomindustrie. Im Zusammenhang mit der medialen Durchsetzung der Gentechnik hat Burson Marsteller eine wichtige Strategie entwickelt, die jetzt auch bei den PR-Kampagnen für die Gefahrzeitverlängerung und für neue AKW zur Anwendung kommt: “Wer eine Gefahrtechnologie politisch und medial erfolgreich durchsetzen will muss die"Killing Fields" meiden.” Die “Killing Fields” sind die Themenbereiche, bei denen die Gen- oder Atomlobby in der öffentlichen Meinung nur verlieren kann. Dies sind bei der Laufzeitverlängerung für AKW die zunehmenden Unfallgefahren, Kinderkrebs und AKW und die satten Profite durch die Risikoverlängerung. Über diese zentralen Themen soll öffentlich nicht diskutiert werden. Analysieren Sie einmal die Berichte in Ihrer Tageszeitung unter diesem Aspekt oder schauen Sie sich die Wikipedia Seite zum Thema Laufzeitverlängerung an. Die Manipulationskampagnen der Atomindustrie sind erschreckend erfolgreich.

Laufzeitverlängerung und atomare Gefahren
In jedem AKW wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in einem Atomkraftwerk mit 1200 MW Leistung im Jahr in etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 1200 Hiroshima-Bomben entsteht. Die „Freisetzung“ nur eines kleinen Teils dieser Radioaktivität hätte verheerende Folgen für die betroffene Region. Große Landstriche müssten für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.

Restlaufzeiten...
17 Kernkraftwerke sind in Deutschland noch am Netz. Gemäß Atomausstiegsgesetz dürften sie jeweils noch eine bestimmte Menge Strom produzieren, dann müssten sie abgeschaltet werden. Stillgelegt wurden bereits Obrigheim und Stade. Der Meiler in Mülheim-Kärlich wurde schon 1988 abgeschaltet. Das Bundesumweltministerium ging 2009 von folgenden Restlaufzeiten aus:

  • Biblis A 2010
  • Neckarwestheim 1 2010
  • Biblis B 2010
  • Brunsbüttel 2012
  • Isar 1 2011
  • Unterweser 2012
  • Philippsburg 1 2012
  • Grafenrheinfeld 2014
  • Krümmel 2019
  • Gundremmingen 2015
  • Philippsburg 2 2018
  • Grohnde 2018
  • Gundremmingen C 2015
  • Brokdorf 2019
  • Isar 2 2020
  • Emsland 2020
  • Neckarwestheim 2022


Alternde, laufzeitverlängerte AKW vergrößern die Unfallgefahr


Durch den Dauerbeschuss mit Neutronen aus der Kernspaltung, extrem hohe Temperaturen und Temperaturunterschiede, mechanische Belastung und Korrosion altern die einzelnen Bauteile der Atomkraftwerke, das Risiko eines Unfalls durch Materialermüdung steigt. Zwar werden immer wieder alte Reaktoren mit neuer Technologie nachgerüstet, doch die Kombination aus alter Technik des letzten Jahrhunderts und neuer Technik birgt bisher unbekannte Probleme und Risiken. Während Wärmetauscher, Reaktordeckel, Rohrstücke und andere Teile unter teilweise immensen Kosten und Risiken für die AKW-Arbeitnehmer (und insbesondere für die Leiharbeiter) ausgetauscht werden können, kann das am stärksten von der Neutronenstrahlung belastete Reaktordruckgefäß nicht ausgetauscht werden. Haarrisse wachsen und der Stahl wird spröde und korridiert. Im März 2002 entdeckten Experten bei der Überprüfung des Atomreaktors „Davis Besse“ in den USA eher zufällig, dass der Stutzen des Reaktordeckels bereits zu drei Vierteln durchgerostet war – ohne dass es zuvor jemand gemerkt hatte. Große Risse im Reaktordruckgefäß oder ein Abriss der Hauptkühlmittelleitung führen zwangsläufig zum GAU, zum größten anzunehmenden Unfall.


„In jedem Jahr Volllastbetrieb werden die Rohre des zentralen Kühlkreislaufs, in dem hoch radioaktives Wasser fließt, sowie der zentrale Druckbehälter einer intensiven Strahlung ausgesetzt. Sie wirft Atome aus ihrer Lage, schafft punktförmige Störstellen. Dies beeinflusst die Festigkeit, im schlimmsten Fall durch Bildung eines Haarrisses, an dem sich weitere Fehlstellen bevorzugt ansammeln, was zur Ausbildung eines größeren Risses und zum Bersten führen kann.“
Zitat: Eicke R. Weber 2010 Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme


Schwerer Atomunfall - verheerende Konsequenzen
Nehmen Sie einen Zirkel und ziehen Sie einen Kreis von ca. 300 Kilometer um Ihren Heimatort. Wenn es in einem der Atomkraftwerke in diesem Kreis zu einem schweren Unfall kommt, zu einer Katastrophe die unwahrscheinlich ist und dennoch morgen schon eintreten kann, wenn ein Teil des radioaktiven "Inventars" des AKW austritt und der Wind in Richtung Ihres Wohnortes weht, dann werden Sie diese Ihre Heimat, mit allem was Sie in Jahrzehnten mühevoll aufgebaut haben, schnell und endgültig verlassen müssen und froh sein, einfach nur zu überleben.


Laufzeitverlängerung? Evakuierungsradius um Fessenheim!


AlteSiedewasserreaktoren: Gefährliche technologische Dinosaurier
Auf Grund ihrer besonders veralteten Technologie (nur ein Kühlkreislauf / Einführung der Steuerstäbe nur von unten / Wasserstoffbildung...) stellen gerade die Siedewasserreaktoren ein besonderes Risiko dar. 6 der derzeit noch laufenden 17 Meiler in Deutschland und 2 der 5 Reaktoren der Schweiz sind Siedewasserreaktoren. Die beiden Skandalreaktoren Brunsbüttel und Krümmel sowie der Beinahe-GAU-Reaktor Forsmark in Schweden sind Siedewasserreaktoren. Und deswegen müssen alle Siedewasserreaktoren so schnell wie möglich vom Netz, auch wenn die abgeschriebenen AKW den Betreibern satte Profite bringen. Seit Mitte der 80er Jahre zeigte sich bei Siedewasserreaktoren des US-Herstellers General Electric (GE), dass sie entgegen den ursprünglichen Annahmen sehr anfällig für Spannungsrisskorrosion sind.

Laufzeitverlängerte AKW und Krebs
Aus einer Studie, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten AKW-Standorten. Die Studie zeigt aber, dass auch im weiteren Radius um AKW die Kinderkrebshäufigkeit zunimmt. Der prozentuale Anteil sinkt zwar, dafür nimmt aber die Anzahl der kranken Kinder zu, denn dort wohnen und leben mehr Kinder als in direkter Nähe des AKW. Gerade die alten Siedewasserreaktoren mit nur einem Wasser- Dampfkreislauf sind berüchtigt für die Abgabe von Radioaktivität im so genannten "Normalbetrieb".

Laufzeitverlängerung: e.on, Vattenfall, RWE, EnBW, CDU, CSU & FDP

Atomkraftwerke, Laufzeitverlängerung und Geld
Bei der Debatte um Laufzeitverlängerung verwundert immer wieder die Vehemenz mit der die Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach. "Its the money stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbyisten aber viel Geld: Die Heinrich-Böll-Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind: „Für die älteren – und in den nächsten Jahren zur Stilllegung anstehenden – Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio Euro. Über alle (aktuell noch betriebenen) Atomkraftwerke und alle Betreiber summieren sich diese Zusatzerträge für jeweils ein Jahr Laufzeitverlängerungen auf ein Gesamtvolumen von 4,6 bis 6,2 Mrd Euro.

Profite durch Gefahrzeitverlängerung:
  • - für die Atomkraftwerke des RWE etwa 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro jährlich;
  • – für die Atomkraftwerke von E.ON etwa 1,9 bis 2,6 Mrd. Euro jährlich;
  • – für die Atomkraftwerke von EnBW etwa 1,0 bis 1,3 Mrd. Euro jährlich;
  • – für die Atomkraftwerke von Vattenfall Europe etwa 0,3 bis 0,4 Mrd. Euro jährlich.“ Zitatende


Der gut gemeinte, politisch und juristisch aber schlecht gemachte Atomausstieg
von Rot-GRÜN hat auch eine politische Dimension, die in der aktuellen Debatte gerne übersehen wird. Der Ausstieg sollte die Anti-Atom Bewegung, einen wichtigen Teil der Gesellschaft, befrieden. Der Ausstieg aus dem Ausstieg zeigt die Macht- und Regierungsverhältnisse in unserem Land überdeutlich.

Dieses Land wird (auch) von als Volksvertretern getarnten Industrievertretern regiert.


Die politisch nicht legitimierten Atomkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und Siemens
regieren über die Lobbyisten der Atomparteien CDU, CSU und FDP, aber auch über Menschen wie Herr Wolfgang Clement von der SPD unser Land. Der Ausstieg aus dem Ausstieg lässt in einem Teil der Bevölkerung den Glauben an demokratische Veränderungen schwinden. Dies kann, in letzter Konsequenz, auch zu einer Entfriedung führen, die politisch niemand wollen kann.

Alte und neue AKW sind gefährlich
Die Nutzung der Atomenergie in neuen und alten AKW ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Der Ausstieg aus dieser gefährlichen Technologie muss schnell erfolgen. Der Versuch der Atomindustrie und der Atomlobby den “Atomausstieg”, diesen viel zu zögerlichen Kompromiss, zu Fall zu bringen ist mehr als ein Skandal.
Neben den Gefahren für Leben und Gesundheit zeigt diese Debatte auch die undemokratische Macht großer Konzerne und der PR-Industrie.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke und Neusprech: Oder etwas Verstecktes enthüllen


Wie sehr haben wir uns schon an das orwellsche Neusprech gewöhnt!
An die Begriffe aus den Werkstätten der Akzeptanzforscher, Militärs und Werbepsychologen! Menschen werden durch »schlanke Produktion« nicht etwa entlassen sondern »freigesetzt« und ein Pestizid ist ein »Pflanzenschutzmittel«. Ein versehentlicher Angriff auf die Zivilbevölkerung ist ein »Kollateralschaden« und »Friendly Fire« ist der Spezialfall eines »Kollateralschadens«, bei der »intelligente« Waffensysteme Feind und Freund verwechselt haben. Statt Atomkraft sprechen wir von »Kernkraft«, statt Entgiftung sagen wir »Dekontamination« und aus dem Katastrophenschutz wurde der harmloser klingende »Notfallschutz«. Die »Internationale Bewertungsskala für Atomunfälle« heißt »Internationale Bewertungsskala für besondere Ereignisse« und bei diesen »besonderen Ereignissen« kann dann Radioaktivität »freigesetzt« werden. Begriffe wie »Entsorgung« und »Entsorgungspark« gehen uns locker über die Lippen.

Sprache ist Macht, und Werbepsychologen und Akzeptanzforscher bestimmen auch mittels der Sprache das Denken der Menschen. Die Umweltbewegung sollte die Sprache zurückerobern und bewusster mit Sprache umgehen. Das darf allerdings nicht heißen, Manipulation durch Gegenmanipulation zu ersetzen. Wir sollten aber versuchen die Dinge und Probleme wieder beim Namen zu nennen oder sogar neu und treffend zu benennen.

Warum bezeichnen wir in der öffentlichen Debatte die Laufzeitverlängerung für AKW nicht als Gefahrzeitverlängerung?


Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bedeutet mehr Atommüll, mehr atomares Risiko durch die Alterung der Atomkraftwerke, mehr Gefahr durch die Versprödung der Reaktordruckgefäße, durch die Weitergabe von Atomkraftwaffen und die zunehmende Gefahr von Atomterrorismus. Die aktuelle Debatte um die Laufzeitverlängerung, als Einstieg in den zukünftig geplanten Neubau von AKW, zeigt auch die undemokratische Machtfülle von EnBW und Co. Laufzeitverlängerung für AKW ist Gefahrzeitverlängerung.

Tragen wir diesen Begriff selbstbewusst in die öffentliche Diskussion.
Ich habe den Autor Walter Mossmann gefragt, ob diese Umbenennung nicht als Versuch verstanden werden könnte Manipulation mit Gegenmanipulation zu bekämpfen. Walter meint: »Natürlich ist der Begriff ›Gefahrzeitverlängerung‹ auch eine bewusste ›propagandistische‹ Unterstreichung. Aber er ist nicht identisch mit der Lügensprache, die oben kritisiert wurde. Wörter wie ›Entsorgungspark‹ rufen ja lügnerisch eine Reklameromantik auf und versuchen, die Sache, die in Wirklichkeit gemeint ist, zu verstecken. Du versuchst, etwas Verstecktes zu enthüllen.«

Wie es enden könnte, wenn wir Sprache und Begriffe den Konzernen überlassen, hat George Orwell im Roman »1984« eindrucksvoll beschrieben. Die drei Leitsätze der von Orwell beschriebenen Gedankendiktatur waren: »Krieg ist Frieden«, »Freiheit ist Sklaverei«, »Unwissenheit ist Stärke«. Wenn heute Atomkraftwerke die Umwelt schützen, Kriegsgründe von Werbeagenturen erfunden und die Hemmschwellen für den Einsatz von Atomkraftwaffen systematisch gesenkt werden, dann ist es hohe Zeit aufzuwachen


Laufzeitverlängerung = Gefahrzeitverlängerung : Unser Kleinbanner für Eure Aktion und für Euren Balkon!hier mehr Infos

Atomkraftwerke, Laufzeitverlängerung und Geld
Bei der Debatte um Laufzeitverlängerung verwundert immer wieder die Vehemenz mit der die Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach. "Its the economy stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbisten aber viel Geld: Die Heinrich Böll Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind: „Für die älteren – und in den nächsten Jahren zur Stillegung anstehenden – Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio Euro. Über alle (aktuell noch betriebenen) Atomkraftwerke und alle Betreiber summieren sich diese Zusatzerträge für jeweils ein Jahr Laufzeitverlängerungen auf ein Gesamtvolumen von 4,6 bis 6,2 Mrd Euro.

– für die Atomkraftwerke des RWE etwa 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro jährlich;
– für die Atomkraftwerke von E.ON etwa 1,9 bis 2,6 Mrd. Euro jährlich;
– für die Atomkraftwerke von EnBW etwa 1,0 bis 1,3 Mrd. Euro jährlich;
– für die Atomkraftwerke von Vattenfall Europe etwa 0,3 bis 0,4 Mrd. Euro jährlich.“ Zitatende

Die neuen „sanften“ Durchsetzungsstrategien für AKW Laufzeitverlängerung und den Europäischen Druckwasserreaktor EPR

Nach der Gefahrzeitverlängerung für AKW soll nach dem Willen der Atomkonzerne und der Atomparteien CDU, CSU und FDP der Neubau von neuen Reaktoren folgen. Auch hier geht es um gigantische Summen.

Wenn die bisherigen 17 deutschen AKW durch neue Euroreaktoren ersetzt werden
sollen, dann geht es um eine Bausumme von mindestens 50 Milliarden Euro. Erinnern wir uns an die teilweise gekaufte Durchsetzung von Müllverbrennungsanlagen und gehen einmal von 5% „Werbekosten“ aus...

Die Atomlobby hat aus ihren Niederlagen in Wyhl, Kaiseraugst, Gerstheim, Wackersdorf und Zwentendorf gelernt. Die alten Fehler werden nicht wiederholt. So läuft zur Zeit europaweit eine geschickte Akzeptanzkampagene für den "neuen, sicheren, umweltfreundlichen und nachhaltigen" Euroreaktor an. Die "nachhaltige, klimafreundliche Kernenergie" ist das Motto der anlaufenden millionenschweren Werbeaktion. Ausgerechnet die Energiekonzerne denen die Umweltbewegung in jahrelangen Auseinandersetzungen Entstickungs- und Entschwefelungsanlagen für ihre veralteten Kohlekraftwerke aufzwingen mussten, versuchen nun vorgeschobene Klimaargumente für die Atomenergie zu nutzen. Auch der Versuch, über den Konflikt um die Windenergienutzung die Umweltbewegung zu spalten, geht in diese Richtung. Die Erinnerungen an die Reaktorunfälle in Tschernobyl (Ukraine), Harrisburg (USA) und Lucens (Schweiz) wurden erfolgreich verdrängt. Und auch die kleinen Nationalismen werden geschickt genutzt, um Gefahrzeitverlängerung und neue AKW politisch durchzusetzen. Bereits vor über 30 Jahren sagte der damalige Ministerpräsident und Atomlobbyist Hans Filbinger: "Wenn das AKW Wyhl nicht gebaut wird, dann bauen "die Franzosen" zusätzlich zu Fessenheim noch ein AKW nach Marckolsheim. Heute sind EnBW und EDF eng verflochtene Global Player, dennoch wird heute schon die Gefahrzeitverlängerung und zukünftig vermutlich auch der Euroreaktor mit einem national angehauchten und darum leider eingängigen Argument durchgesetzt."Wenn wir nicht die AKW Laufzeit verlängern, dann kommt der zukünftige Strom aus unsicheren "ausländischen" AKWs." Auch wenn diese Argumentation leicht widerlegt werden kann ist, ist es erstaunlich wie wirksam die "Nationale Karte" immer noch funktioniert, wenn es gilt wirtschaftliche Interessen gegen die Menschen durchzusetzen.
Axel Mayer





Aktueller Einschub



Friedensnobelpreis 2017


Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) bekommt den Friedensnobelpreis 2017. Ican hat sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht. Der Preis geht endlich einmal an an die Richtigen und wir gratulieren.
Leider interessieren sich die Medien nicht dafür, warum neue AKW den Weg für neue Atombomben bahnen...

Die nordkoreanische Atombombe und der blinde Fleck der Wahrnehmung
Die letzten Atomwaffenversuche Nordkoreas und die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Trump vor der UN und seine Ansage: „Dann haben wir keine andere Wahl als die totale Zerstörung Nordkoreas“ zeigen die gefährliche Zuspitzung der Lage. Der Konflikt nimmt eine Dimension an, die nicht nur Millionen Opfer fordern kann, sondern den Weltfrieden gefährdet. Die Zuspitzung der Krise zeigt aber auch, was es bedeutet, wenn Neurotiker an der Spitze von Atomwaffenstaaten bei ihren kindisch-gefährlichen Sandkastenspielen über die schrecklichsten Vernichtungswaffen der Welt verfügen.

Die zunehmende Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen durch den Export von neuen AKW in Spannungsgebiete und durch die Entwicklung und Verbreitung neuer, kleiner Reaktoren ist der große blinde Fleck der aktuellen Berichterstattung.

Mehr Informationen hier.

AKW Laufzeitverlängerung? Gefahren, Risiken und satte Profite durch laufzeitverlängerung für AKW
Material für Hausarbeit, Schularbeit, Referat, Vortrag

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Dieser Artikel wurde 24155 mal gelesen und am 22.9.2017 zuletzt geändert.