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Im neuen Jahrtausend: Bandstadt und massive Zersiedelung am Oberrhein?

21.12.2000
Jetzt steht die Jahrtausendwende tatsächlich vor der Tür. Das ist Anlass für den BUND Regionalverband, die Zukunft dieser Region ein wenig unter dem Gesichtspunkt "Flächenverbrauch" abzuklopfen. Zersiedelung, Flächenfraß und Verscheußlichung einer Landschaft sind üblicherweise langsame und schleichende Prozesse. Es wird nach dem Prinzip der Salamitaktik vorgegangen.

Doch gerade jetzt zur Jahrtausendwende sind die Scheiben, die von der "Landschaftssalami" abgeschnitten werden, mehr als fingerdick. Da ist die aktuelle Fortschreibung des Regionalplanes mit der gebietsscharfen Darstellung regional bedeutender Industrie- und Gewerbestandorte. Dazu kommt der Versuch der ehemaligen Ökohauptstadt Freiburg, 263 Hektar zusätzlicher Bebauungsfläche unter anderem aus Natur- und Landschaftsschutzgebieten auszuweisen.

Auch die aktuellen Bestrebungen, die Planungsbehörde Regionalverband durch einen Zweckverband zu ersetzen, weil der Regionalverband die Verbreiungstendenzen in der Region zumindest noch ein wenig stört, passen in dieses Bild.

Bis zum 31.12.2000 sollen die Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen zur Fort-schreibung des Regionalplanes abgegeben haben. Die gebietsscharfe Darstellung regional bedeutsamer Industrie- und Gewerbestandorte, der Wegfall von Siedlunsgszäsuren und die Verschiebung von regionalen Grünzügen zeigen immer deutlicher die zukünftigen Strukturen: Eine Bandstadt entlang der B3 am Fuße des Schwarzwaldes. Es ist unverständlich, warum es zu solchen aktuellen Planungen und einem so wichtigen Zukunftsthema keine öffentlichen Debatten in den betroffenen Landkreisen und der Region gibt.

Zersiedelung und Flächenverbrauch sind die großen Umweltthemen in der (schon lange nicht mehr) Ökohauptstadt Freiburg. 263 Hektar will die Stadt jetzt zusätzlich bebauen. Dies ist die Fläche von 500 Fußballplätzen oder mehr als die fünffache Fläche der Altstadt. Für einen Skandal hält der BUND die Tatsache, dass 150 Hektar aus bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebieten herausgeschnitten werden sollen. "Breiburg im Breisgau", das steht für den hässlichen Siedlungsbrei, der in und um Freiburg entsteht. Bürgermeister der Freiburger Umlandgemeinden befürchten ein "Ruhrgebiet am Oberrhein", wenn Freiburg an seinen Flächenverbrauchsplänen festhält.

Aber gerade auch das Freiburger Umland, die Toscana Deutschlands, die wunderschöne Kultur- und Naturlandschaft am Oberrhein, ist mit Vehemenz dabei, das was den Reiz dieser Landschaft ausmacht, selbst zu zerstören. Freiburg wuchert in die Schwarzwaldtäler und entlang der Regio S-Bahn ins Umland - entsprechendes gilt für die Mehrzahl der Dörfer und Städte im Oberrheingraben.

Obwohl die Bevölkerungszahlen im Bundesgebiet massiv zurückgehen und in den neuen Bundesländern teilweise bis zu 30% der Wohnungen leer stehen, nimmt die Tendenz zu einer scheußlichen, zersiedelten Bandstadt am Oberrhein ausgehend von den Kernen Freiburg und Offenburg massiv zu.

Viele neue landschaftszerschneidende Straßenbauprojekte, die Gefahr, mit dem sechsspurigen Autobahnausbau endgültige zur europäischen Nord-Süd-Trasse zu werden, die Nichtarchitektur der neuen Gewerbegebiete, der Wegfall von regionalen Grünzügen und Siedlungszäsuren, die Maissteppe der Ebene, die neonschrillen Ortseinfahrten der Dörfer, der Verlust an Natur- und Erholungsflächen... viele dieser Puzzlesteine ergeben im Zusammenhang gesehen ein Bild großflächiger Zerstörung, verbunden mit einem enormen Verlust an Lebensqualität.

Es geht nicht darum, eine Käseglocke über die Region zu stülpen und Entwicklung generell zu verhindern. Einer Gewerbeansiedlung dort, wo Flächen bereits entwertet sind, beispielsweise auf den Flugplätzen in Lahr und Bremgarten ist auch für den BUND akzeptabel. Gerade wegen der großen ungenutzten Abwärmemengen der geplanten MVA in Bremgarten sprechen sogar energetische Argumente für die Bündelung der Ansiedlung. Aber die Bürgermeister der Region wollen entsprechend dem Zeitgeist alles. Gewerbe auf den Flugplätzen in Bremgarten und Lahr, dazu aber selbstverständlich noch riesige eigene Gewerbegebiete. Parallel dazu braucht es dann natürlich ebenso große Flächen für neue Wohngebiete. Darum wird beinah jede neue Landschaftszerstörung, jede neue Straße von der Mehrzahl der südbadischen Lokalpolitiker und den örtlichen Medien bejubelt. Der Glaube der sechziger Jahre, unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich, ist wiedergekommen. Die Bandstadt am Oberrhein und die weitere Zersiedelung und Verscheußlichung der Landschaft in Freiburg und am Oberrhein ist eine sehr wahrscheinliche Option für die Zukunft dieser Raumschaft. Wir sind scheinbar nicht in der Lage, aus den Fehlern anderer zersiedelter Regionen zu lernen. Der BUND beschreibt diese Vision für das nächste Jahrtausend, damit sie nicht eintrifft.
Axel Mayer

Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg

www.bund-freiburg.de


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