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Insektensterben - Artensterben - Bauernsterben


Insektensterben - Artensterben - Bauernsterben


Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen der Globalisierung und des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Die in kleinen Teilen immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft in meiner Heimat Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und der „freie Markt“ zählen, wenn eine verfehlte EU-Agrarpolitik nur noch die großindustrielle Landwirtschaft unterstützt, wenn Bauernverbände diese Zusammenhänge nicht erkennen wollen, dann haben Insekten, Vögel, Hecken, Grundwasser, aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung und das Volksbegehren sind nicht die Feind der Landwirtschaft, sondern potentiell Verbündete einer insektenfreundlichen, grundwasserfreundlichen, naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Wir müssen den Wachstumswahn brechen und die Globalisierung menschengerecht und nachhaltig gestalten. Ein winziger Schritt in die richtige Richtung ist das bayrische Volksbegehren, auf das wir auch aus Südbaden hoffnungsvoll blicken.

Die Ursachen für das große Artensterben und Insektensterben, aber auch für den Klimawandel sind vielfältig und doch lassen sie sich zu einem Bild zusammen fügen. Wir leben in einer Endzeit exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums im begrenzten System Erde und verwandeln die vielfältige Welt in eine große einheitliche Fabrik. In eine Agrarfabrik, eine Fabrik-Fabrik, eine Wohn-Fabrik und eine Konsum-Fabrik in der zunehmend übersättigte Menschen immer unzufriedener werden.

Axel Mayer

Insektensterben Ursachen
Die Ursachen des massiven Insektensterbens sind vielfältig. Es gibt Hauptgründe und Nebengründe für den massiven Rückgang der Arten und es gibt ein massives ökonomisches Interesse der Agrochemielobby und ihrer PR-Agenturen dieses Thema gezielt nur in den kleinen Nischen und Randbereichen zu diskutieren.

Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften (Neonicotinoide...), Herbiziden (Glyphosat...), Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft. Ein besonders bedrückendes Phänomen ist die Fernwirkung der Gifte und Düngemittel selbst in weit entfernte Naturschutzgebiete.

Zu den weiteren Ursachen des Rückgangs zählen Biotopverluste bei Pflanzen aufgrund erhöhten Stickstoffgehalts im Boden. Aus zweimal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Die Giftorgien in Privatgärten, aktuell bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, dürfen bei der Ursachenanalyse nicht außer Acht gelassen werden. Als weitere mögliche Ursachen gelten Klimawandel, Flächenverbrauch und Bebauung, der zunehmend beschleunigte Verkehr, Lichtverschmutzung und die massenhafte Tötung von Insekten an Lichtquellen.

Ein weiterer Hauptgrund des Insektensterbens wird von Naturschützern gerne übersehen. Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Eine immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft z.B. in Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und die Ideologie des „freien Marktes“ zählt, dann haben Insekten, Vögel, Hecken aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potentiell Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Das Insektensterben kann nicht losgelöst vom generellen, globalen Artensterben gesehen werden. Doch Monotonie breitet sich nicht nur in der Natur aus. So gibt es (um nur ein Beispiel zu nennen) weltweit noch 6.500 Sprachen, doch die Hälfte ist vom Aussterben bedroht. Was wir erleben ist die logische Folge unbegrenzten Wirtschaftswachstums im begrenzten System Erde. Und in den schnell wuchernden Metastasen unseres Industriesystems, in Asien und Afrika, laufen die Zerstörungsprozesse noch schneller ab.

Notwendige Ursachenforschung zum Insektensterben und ihre Probleme.
Während das Insektensterben als solches nur noch von industrienahen Insektensterbenleugnern bestritten wird, gibt es bei der Ursachenforschung, insbesondere bei der Fernwirkung der Gifte noch einen großen Forschungsbedarf. Wir sehen dies, sind aber gebrannte Kinder. Bei Themen wie Klimawandel, Holzschutzmittelgifte, Contergan und Asbest waren die Ursachen teilweise jahrzehntelang bekannt und eine industriegelenkte Ursachenforschung, verbunden mit Verharmlosungs-Kampagnen hat Maßnahmen zur Schadensbegrenzung jahrelang verzögert und verhindert. Dies hat bei Holzschutzmittelgiften, Contergan und Asbest zu Krankheit und Tod vieler Menschen geführt. Der organisierte Kampf der Klimawandelleugner wird weltweit noch größere Opfer fordern.

Die Forderung nach einer industrieunabhängigen Erforschung der Ursachen des Insektensterbens und der Fernwirkung der Gifte, erscheint angesichts der Macht von Bayer, Monsanto und Syngenta und Co. beinahe unrealistisch, muss aber angegangen werden und darf nicht zu einer Verzögerung bei der Bekämpfung des Insektensterbens führen.

Schmetterlingssterben! Was tun?
Ein kluger, umfassender 9-Punkte-Plan gegen das Insektensterben wurde am 19.10.2018 von WissenschaftlerInnen in Stuttgart veröffentlicht. Wichtig ist auch die Reihenfolge der Forderungen.

NEUN‐PUNKTE‐PLAN GEGEN DAS INSEKTENSTERBEN–DIE PERSPEKTIVE DER WISSENSCHAFT / Nur die Überschriften
    1. Einschränkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft
    2. Extensivierung der Landwirtschaft
    3. Erhöhung der Artenvielfalt des Grünlands
    4. Pflege von Naturschutzgebieten
    5. Mehr Natur im öffentlichen Raum
    6. Gegen Lichtverschmutzung angehen
    7. Forschungs‐ und Bildungsoffensive
    8. Förderung von Wildbestäubern
    9. Öffentlichkeitsarbeit



Ablenkungsmanöver und erste Erfolge:
Seit dem Jahr 2016 haben wir bundesweit mit Presse- und Internetarbeit und vielen kleinen Anzeigen auf das das stille Insektensterben und seine Ursachen aufmerksam zu machen. Zwei Jahre später und zehn Jahre nach der großen Bienenvergiftung in Südbaden haben wir endlich auch erfreuliche Teilerfolge erzielt. Gegen den heftigsten Widerstand der Agrochemielobby ist es endlich gelungen, zumindest drei besonders gefährliche Neonicotinoide zu verbieten. Der wichtige Streit um Neonics hat den kleinen BUND am Oberrhein im Jahr 2013 in einem massiven juristischen Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer viel Geld gekostet. Umso mehr freuen wir uns über den Erfolg für die Natur. Aber noch sind manche Neonics erlaubt und der BUND muss darauf achten, dass die Folgegifte nicht ähnlich problematisch sind. Wir freuen uns über den Teilerfolg, wissen aber genau, dass das alles noch lange nicht reicht um das regionale und globale Artensterben auch nur zu bremsen. Und mit Sorge blicken wir auf die geschickten Ablenkungsmanöver der Agrochemielobby. Wir freuen uns über jeden blühenden Ackerrandstreifen, wissen aber auch, das ein spritzmittelvergifteter Blühstreifen eine hübsch anzusehende Todesfalle für Insekten ist.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer








Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben 2019



Aktueller Einschub 2019

Insektensterben wesentlich schlimmer als befürchtet


"Eine aktuelle Übersichtsstudie, die im Journal Biological Conservation (Sánchez-Bayo/Wyckhuys, 2019) erscheinen wird und online vorab verfügbar ist, untermauert nun genau das: Den Forschern zufolge zeigen 40 Prozent der Insektenarten weltweit einen Rückgang, ein Drittel der Arten sei vom Aussterben bedroht. Als größten Treiber des Insektensterbens identifizierten sie den Verlust von Lebensraum durch intensive Landwirtschaft sowie die zunehmende Urbanisierung. Chemische Schadstoffe wie Pestizide und synthetische Düngemittel, invasive Arten und der Klimawandel kämen als Ursachen hinzu.

Wenn die Insektenmasse weiterhin jährlich um 2,5 Prozent abnehme, könnte die artenreichste Klasse der Tiere in einem Jahrhundert verschwunden sein, warnt das Team um Francisco Sánchez-Bayo von der Universität Sydney, der die Arbeit mit Kris Wyckhuys von der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaft (CAAS) mit Sitz in Peking erstellt hat.

Für ihre Übersichtsarbeit werteten die Wissenschaftler 73 Studien zum Insektensterben aus und fassten die Ergebnisse zusammen. Demnach sind an Land Schmetterlinge, Käfer und Hautflügler am stärksten bedroht und vom Artenrückgang betroffen. Zu den Letzteren gehören auch die Bienen. Auch wasserlebende Insekten wurden berücksichtigt: Die vier Gruppen der Libellen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Eintagsfliegen zeigten bereits erhebliche Artenverluste."
Quelle: Die Zeit




  • Schmetterlingssterben: hier
  • Insektensterben: Eine wichtige Ursache des Vogelsterbens: hier
  • Kein Insektensterben? - Greenwashing der Konzerne: hier
  • Insektensterben - Artensterben - Bauernsterben
  • Die Tricks der industrienahen Insektensterbenleugner: hier
  • Eine Rede über das Insektensterben und Bayer, Monsanto, Syngenta und co: hier
  • Das Grafikmotiv oben gibt´s als Banner (200cm x 66,65 cm) für Demo & Balkon beim BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein für 10 Euro: hier
  • Infos und mehr zum Insektenhotel: hier
  • Insektensterben: Was tun? Neun‐Punkte‐Plan gegen das Insektensterben: hier


Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer





Infosammlung 2019: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein




Insektensterben noch schlimmer als befürchtet / Forscher bestätigen negativen Trend


"Eine aktuelle Übersichtsstudie untermauert nun genau das: Den Forschern zufolge zeigen 40 Prozent der Insektenarten weltweit einen Rückgang, ein Drittel der Arten sei vom Aussterben bedroht. Als größten Treiber des Insektensterbens identifizierten sie den Verlust von Lebensraum durch intensive Landwirtschaft sowie die zunehmende Urbanisierung. Wenn die Insektenmasse weiterhin jährlich um 2,5 Prozent abnehme, könnte die artenreichste Klasse der Tiere in einem Jahrhundert verschwunden sein, warnen Experten."
Mehr Infos: Insektensterben












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Nachtrag zum Schluss


Sehenswert: Die Anstalt im ZDF zeigt die manipulative Macht der Autolobby und die tatsächlichen Hintergründe der Feinstaub-Debatte.




Mitwelt-Warnungen 2019 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Mitwelt-Internetseiten sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die-Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)









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Dieser Artikel wurde 229 mal gelesen und am 17.3.2019 zuletzt geändert.