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Immobilienkrise - Wirtschaftskrise - Wachstum und Wachstumskritik

Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme - Eine Einführung in das Thema


In der aktuellen US-IMMOBILIENKRISE
hat die Wall Street bis September 2007 mehr als 200 Milliarden Dollar durch die US - Hypothekenkrise verloren. Die US-Amerikaner leben auf Pump berichtet die Tagesschau am 17.3.2008. "Allein die Kreditkartenschulden liegen landesweit bei mehr als 800 Milliarden Dollar, dreimal soviel wie vor 20 Jahren. Mit durchschnittlich 10.000 Dollar ist jeder US-Haushalt inzwischen in den Miesen, und das ohne Immobilienschulden. Die US-Immobilienkrise ist nur die Spitze des Eisbergs."

Es werden Milliarden vernichtet.
Die jüngste Hiobsbotschaft ist eine Untersuchung eines Kongressausschusses. Demnach werden in den USA bis Ende 2009 zwei Millionen Familien wegen Zahlungsunfähigkeit ihr Haus verlieren. Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass der Wert der US-Immobilien um zwei bis vier Billionen Dollar sinken wird.

Über Entstehung und Ursachen der Subprimekrise schreibt Wikipedia im März 2008
"Im Frühjahr 2007 erreichten in den USA die Zahlungsausfälle auf diese Kredite den höchsten Stand der letzten Jahre, verursacht durch kontinuierliche Zinserhöhungen bei gleichzeitig stetigem Verfall der Immobilienpreise in den USA. Dutzende Baufinanzierer, die sich gerade auf diese Kredite spezialisiert hatten, mussten Gläubigerschutz beantragen. Die Hauskredite, d. h. die Rückzahlungs- und Zinszahlungsansprüche gegen die Schuldner, wurden als Wertpapiere verbrieft und als Forderungsbesichertes Wertpapier (ABS) verkauft. Aufkäufer waren vielfach Fonds, Versicherungen und andere Banken. Unter den Fonds waren nicht nur risikobereite Hedgefonds, sondern auch eher konservative Investmentsfonds vertreten. Da aber insbesondere Hedge-Fonds stark in die risikobehafteteren Wertpapiertranchen investierten, kam es bei diesen zu erheblichen Verlusten, die teilweise zur Schließung und Abwicklung der Hedgefonds führten. Aber auch Investmentbanken selbst waren betroffen.

Die Schließung von Hedgefonds
und die Verluste bei den Investmentbanken führten am Kapitalmarkt zu einer schlagartigen Abnahme der Risikobereitschaft privater und institutioneller Anleger. Diese zogen nun in kurzer Zeit erhebliche Beträge aus dem Kapitalmarkt ab (z. B. durch Rückgabe von Fondsanteilen) oder hielten sich mit neuen Investitionen in risikoreiche oder auch nur möglicherweise risikoreiche Anlagen zurück. Der durch die Krise ausgelöste hohe Liquiditätsbedarf spiegelte sich am Geldmarkt durch einen Anstieg der Geldmarktzinsen wider. Am Geldmarkt beschaffen sich große Akteure wie Banken und Großunternehmen kurzfristige Liquidität beispielsweise durch Geldmarktkredite."
Zitatende

Doch diese Krise ist nur eine Wiederholung der japanischen Immobilienblase und der nächste Chrash zeichnet sich in England und Spanien deutlich ab.
Der Hintergrund der Probleme ist ein System das nur funktioniert wenn es wächst und sich damit zwangsläufig selber zerstört.


Wieviel Prozent Wachstum
hätten Sie denn gerne? Fragen Sie einen Politiker von CDUFDPSPD und Sie werden vermutlich keinen finden, der nicht ein langfristiges Wachstum von mehr als 5% anstrebt. Mindestens 3% Wirtschaftswachstum seien nötig, um die Arbeitslosenzahlen zu senken. Vollbeschäftigung ließe sich frühestens ab 5% jährlichem Wachstum erreichen, werden Ihnen auch viele PolitikerInnen der GRÜNEN und der Demokratischen Linken vorrechnen.

Doch hinter solchen Aussagen,
Wahlkampfparolen, Wirtschaftsinteressen, Wünschen und Problemlösungsansätzen stehen unhinterfragte Mythen und der alte, zerstörerische Irrglaube, unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich. Ein Glaube der zwischenzeitlich schon an Religionsersatz erinnert.

Bei einem anhaltenden Wachstum
von 3% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Als Problemlösungsansatz kann es langfristig und global nicht dienen. Durch die periodischen Kriege im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das bisherige Wachstum immer wieder unterbrochen. Es wäre anzustreben, die aktuellen Probleme ohne großen (und damit vermutlich letzten) Krieg in den Griff zu bekommen.

An den Börsen
ist dauerhaftes Wachstum zumindest theoretisch möglich. Aber irgendwann wird das dort gehandelte Geld zu Spielgeld, das für keine realen Werte mehr steht.

Immer wieder werden in der öffentlichen Debatte
andere Länder benannt, die ein stärkeres, „vorbildhaftes“ Wachstum haben. Vor dem Jahr 1990 wurde Japan als das „große Vorbild“ dargestellt. Die boomende japanische Wirtschaft wurde idealisiert und den deutschen Arbeitnehmern sagten Medien und Politik, sie sollten sich die Japaner endlich als Vorbild nehmen. Dann platzte 1990 in Japan (als Folge exponentiellen Wachstums) die damalige Immobilienblase, die Börse ging in den Keller und von einem Tag auf den anderen war in Deutschland das „Vorbild Japan“ kein Thema mehr. Aufgearbeitet wurde dieser Medienflopp nie. Und die Staatsverschuldung mancher Länder, die uns heute als Vorbild dienen sollen, ist für die Medien wieder kein Thema.

Unser Wirtschaftswachstum
ist immer noch nicht ganz abgekoppelt von einem erhöhten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und Uranzeitalters ist absehbar und wird durch den Export unseres Verschwendungssystems nach China und Indien noch verstärkt.

Deutlich wird dies u.a. durch die erkennbare Verknappung der fossilen Rohstoffe und damit aktuell beim Benzinpreis. Das weltweit knapper werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern, rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie.

Die Umweltbewegung in Deutschland
hat viel erreicht. Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden und auch sonst gab es viele Erfolge. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. Immer noch gehören auch wir in Deutschland zum zumeist unzufrieden gehaltenen, kleinen „reichen“ Teil der Menschheit, der aber den Großteil der Energie und Rohstoffe verschwendet und damit hauptsächlich für die weltweite Umweltverschmutzung verantwortlich ist.

Ein Teil des bisher „unterentwickelten“ Rests der Welt
(insbesondere China und Indien) ist gerade gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen und zu einer ernstzunehmenden industriellen Konkurrenz zu werden. Wie in Deutschland nach dem Krieg wird auf niedrige Lohnkosten und geringe Sozial- und Umweltstandarts gesetzt. Der beginnende Autoboom in diesen Ländern wird in unseren Medien immer noch unkritisch bejubelt. Die Folgen dieses Booms für Ökologie und Weltklima sind kein Thema. In China und Indien läuft zur Zeit das "spannendste ökologische Belastungsexperiment" der Menschheitsgeschichte. Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten Beispiel nacheifern?

Hundertfünfzig Jahre Industrialisierung
haben dazu geführt, dass die in vielen Millionen Jahren geschaffenen Energievorräte und die Rohstoffreserven der Welt zur Neige gehen und wir gleichzeitig u.a. mit Atommüll Gifte produziert haben, die über eine Million Jahre sicher gelagert werden müssen. Während sich bei uns in diesen 150 Jahren zumindest einige regulierende Gegenkräfte entwickelt haben (Gewerkschaften, Umweltbewegung, etc.) um die schlimmsten Folgen des krebsartigen Wachstums für die Menschen abzumildern, wuchern die Metastasen des Industriesystems in China, Indien und den so genannten „Tigerstaaten“ ungehemmt, mit enormen Folgen für die Umwelt, die Sozialsysteme und die Menschen

Die Prognosen des Club of Rome

über die Grenzen des Wachstums aus dem Jahr 1972 haben sich bisher nur zum Teil erfüllt. Doch zum damaligen Zeitpunkt waren die Wachstumsgesellschaften Indiens, Chinas und Südostasiens auch noch im Embrionalzustand. Jetzt, wo diese großen Märkte für ihr Wachstum immer mehr Energie und Rohstoffe verbrauchen, zeigt sich wie richtig die Thesen des Club of Rome waren.

Die Folgen unseres Handelns
sind weltweit nicht zu übersehen. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre nimmt zu und das Weltklima verändert sich. Die so genannte friedliche Nutzung der Kernenergie gefährdet durch Unfälle, Terrorismusbedrohung und die Weiterverbreitung von Atomwaffen unsere Zukunft. Alles Wissen um Umweltfragen verhindert nicht den massiven Raubbau an den letzten Urwäldern der Erde und am beschleunigten Artensterben. Während der überentwickelte Teil der Welt mit den Folgen von übermäßigem Konsums und Wohlstandsverwarlosung zu kämpfen hat, sterben nach einem Bericht für die UNO täglich 100 000 Menschen wegen fehlender Nahrung. Im Jahr 2004 litten 842 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung.

Innenweltverschmutzung
Die größer werdende Ungleichheit zwischen den Nationen und den Menschen verstärkt die Kriminalität und ergibt einen fruchtbaren Nährboden für Fundamentalismus und Terrorismus. Zur weltweiten Umweltzerstörung kommen im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie u.a. durch die zunehmende politische Macht der Konzerne, soziale Ungerechtigkeit und Sozialabbau. Habgier und Egoismus als gefördertes und gewünschtes Lebensmodell zerstört die Gesellschaft. Die Unwirtlichkeit der Vorstädte, Ghettobildung, vor allem aber die ungleiche Verteilung von Arbeit und Chancen führt in vielen Ländern zu sozialer Entwurzelung und Gewalt. Brennende Autos und gewalttätige Aufstände der Entwurzelten, schon lange nicht mehr nur in weit entferneten Ländern, sondern auch in Paris und Straßburg, sind deutliche Zeichen einer mit der Umweltzerstörung einhergehenden Innenweltverschmutzung. Bewachte Ghettos für verängstigte Reiche nach amerikanischem Vorbild sprechen auch nicht für eine hohe Lebensqualität im selbstgewählten Käfig. Es gibt keine Nachhaltigkeit und kein gutes Leben ohne Gerechtigkeit.

Das Denken des größten Teils der politischen Klasse,
der Medien und auch der Menschen beruht auf Mythen und Illusionen:

  • Unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich
  • Wir alle könnten irgendwann genau so verschwenderisch und zerstörerisch leben wie die Menschen in den USA
  • Der arme "Rest der Welt" könnte unser verschwenderisches und zerstörerisches Wohlstandsmodell übernehmen
  • ungehemmter Konsum würde glücklich und zufrieden machen


Doch wenn unser System unbegrenzt wächst,
wenn weiterhin weltweit Energie, Rohstoffe und gesellschaftliche Reichtümer verschwendet werden, dann stellt sich nicht die Frage, ob das System kollabieren könnte, sondern nur noch die Frage, wann dieser Crash kommt. Woher sollen Rohstoffe und Energie kommen, wenn sich der American Way of Life weltweit verbreitet? Wer soll all die Produkte kaufen, wenn unsere Produktivität sich weltweit verbreitet? Und sind die Menschen, die heute den so genannten „hohen „Lebensstandard“ haben, tatsächlich zufrieden und glücklich, oder wachsen mit zunehmendem Wohlstand nicht sogar Habgier und Unzufriedenheit?

Das Wachstum im Bereich der Alternativen Energien,
gehört zu den wenigen hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate 1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies einem neuen AKW Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein Atomreaktor der Grösse Beznau(CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Und genau dieses positive Wachstum der zukunftsfähigen Energien wird von den Anhängern der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bekämpft.

Wir haben Technologien und Waffen enwickelt,
welche die Zukunft der Menschheit bedrohen. Gleichzeitig zeigen aber manche Fortschritte, nicht nur bei Sonnen- und Windenergie, dass der technische Fortschritt dem Menschen auch nützen kann. Nicht alle Rationalisierungtechnologien schaffen Probleme. Mit der heute verfügbaren Technik, mit der Produktion von reparaturfähigen, langlebigen Produkten könnten wir, größtenteils befreit von stupiden Tätigkeiten, ein „gutes“ Leben führen. „Gut leben statt viel haben“ muss der heutigen „Ich kaufe, also bin ich“- Ideologie entgegengesetzt werden. Das bedeutet weniger bezahlte Erwerbsarbeit und die gerechtere Verteilung des durch die Rationalisierung zurückgehenden Arbeitspensums auf mehr Menschen. Weniger Arbeit und gleichzeitig mehr Lohn und Konsum wird es dann aber nicht geben. Das aktuelle Motto auch der politischen Linken: „Leute, kauft mehr kurzlebigen Scheiß, um die Wirtschaft anzukurbeln“ ist kurzsichtig und zerstörerisch.

Es kann auch nicht angehen hohe Löhne beziehen zu wollen und gleichzeitig am liebsten billige Produkte zu kaufen, die unter Sklavenhalterbedingungen in den armen Ländern produziert wurden.



Eine Gefährdung der Demokratie

und eine zunehmende Einschränkung der Freiheitsrechte geht einher mit der neoliberalen Globalisierung. Mit Greenwash, Public Relations, Werbung, mit „Konsum und Spielen“ werden die Menschen unmündig gehalten. Silvio Berlusconie ist nur ein Beispiel für die demokratiegefährdende Verbindung von Wirtschaftsmacht, Medienmacht und Politik. Kriege um Öl werden von Werbeagenturen psychologisch vorbereitet und mit Lügen begründet.
Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Volksvertreter in den Parlamenten ab und die Zahl der als Volksvertreter getarnten Industrievertreter zu. Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern sind kein Problem, wenn die entsprechenden Diktaturen wirtschaftsfreundlich sind. Großkonzerne und neoliberale Eliten und eine zunehmende Selbstzensur, häufig industrienaher Medien, gefährden die Demokratie.

Nur wenn es uns gelingt
mit einem wesentlich verringerten Input von Energie und Rohstoffen ein gutes Leben zu führen, könnten auch die Länder des Südens an den Reichtümern der Welt gleichberechtigt teilhaben. Ohne einen gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Ressourcen der Welt, ohne Abrüstung, Demokratie und Menschenrechte gibt es keine nachhaltige Zukunft.


Die schwierigste Zukunftsaufgabe der Umweltbewegung

wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten und Wege für ein gutes, nachhaltiges Leben aufzuzeigen. Die größten Einschränkungen auf diesem Weg sind die ökonomischen Widerstände und die Tatsache, dass dieser zukunftsfähige Weg Vernunft und ein massives Umdenken voraussetzt.
Das Beispiel der Osterinsel zeigt, wie Menschen es in der Vergangenheit geschafft haben, ihren überschaubaren Lebensraum zu entwalden, die Insel zu verwüsten und die Grundlagen für ein gutes Leben zu vernichten.
Wir sollten aus der Geschichte lernen und die sich beschleunigenden, weltweiten Zerstörungsprozesse beenden. Hoffnungsvoll ist dieses Unterfangen nicht...

Axel Mayer

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Dieser Artikel wurde 1423 mal gelesen und am 8.9.2009 zuletzt geändert.