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EPR Europäischer Druckwasserreaktor - Neue AKW und neue Gefahren

EPR, Europäischer Druckwasserreaktor, neue Atomkraftwerke - Eine kurze Kritik

Der EPR - Europäischer Druckwasserreaktor - Neue AKW / KKW: Der EPR Reaktor ist eine teure Gefahr für Mensch und Umwelt



Der Bau des ersten EPR-Atomreaktors in Frankreich wird fast dreimal Mal so teuer wie ursprünglich geplant.
Der Stromkonzern EDF musste im Dezember 2012 das Budget um weitere 2 Milliarden Euro erhöhen. Die Kosten werden mittlerweile auf 8,5 Milliarden Euro geschätzt. Ursprünglich sollte die Anlage am Ärmelkanal nur 3 Milliarden Euro kosten und bereits Strom liefern. Auch in Finnland werden die ursprünglich prognostizierten Kosten wohl um ein Vielfaches überschritten werden.

"Für EDF wäre es besser, der Meiler ginge nie ans Netz, denn er wird eine strahlende Verlustmaschine sein. Mit jeder Kilowattstunde Strom, die Flamanville erzeugt, verliert EDF Geld. Die Erzeugungskosten werden von Greenpeace auf zehn Cent pro Kilowattstunde geschätzt, das wäre noch deutlich teurer als Windstrom und rund das Doppelte des Preises an der Strombörse.

EDF selber dementiert nicht, dass der EPR inzwischen unrentabel ist: „Wir haben nie die Rentabilität des Atomstroms anhand eines einzelnen Kraftwerks berechnet, erst recht nicht, wenn es um das erste Exemplar einer Serie geht wie beim EPR“, sagte der zuständige EDF-Manager Hervé Machenaud. Auch das ist eine Art, zuzugeben, dass die Anlage Geld verbrennen wird." schreibt das Handelsblatt
Wir Umweltschützer haben mit unserer Kritik der letzten Jahre nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch recht behalten.
Axel Mayer


Beginnen wir
mit dem Schmierstoff der Politik, mit Geld. 3,2 Milliarden Euro sollte der erste Europäische Druckwasserreaktor EPR, der gerade zu Dumpingpreisen in Olkiluoto in Finnland gebaut wird, kosten. Realistisch sind nach Expertenansicht zwischenzeitlich eher 8,5 Milliarden Euro. Wer AKW durch Neubauten ersetzen will (Frankreich, Finnland, die SVP in der Schweiz) muss mit gigantischen Summen rechnen. Atomstrom ist teurer als Windstrom!


"Der EPR Europäischer Druckwasserreaktor - Euroreaktor ist zehn mal sicherer,
als die herkömmlichen Atomkraftwerke" (Zitat der ehemaligen konservativen französischen Industrieministerin Fontaine). "Das klingt doch recht erstaunlich", meint BUND Geschäftsführer Axel Mayer. "Wurde uns nicht jahrzehntelang eingetrichtert, die bisherigen AKWs seien zu hundert Prozent sicher?"


Die Gefahren des Euroreaktors EPR (kurze Zusammenfassung)



Auch der neue EPR-Reaktor ist an jedem Standort gefährlich und abzulehnen
Auch er produziert Atommüll, der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. In jedem alten und neuen AKW entsteht in einem Jahr für jedes Megawatt elektrischer Leistung ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität von einer Hiroshima Bombe. Bei zwei Euroreaktoren à 1600 MW ist das im Jahr die Radioaktivität von 3200 Hiroshima Bomben. Und überall, wo Menschen arbeiten, gibt es auch unvorhersehbare Fehler.

Der Euroreaktor ist groß statt sicher.
Die elektrische Leistung von 1600 Megawatt stellt nach Ansicht der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) eine Abkehr von der einst geforderten "inhärenten Sicherheit" dar. Doch um die Stromkosten nicht völlig ausufern zu lassen, setzt man bei Siemens und Areva "mehr auf supergroß als auf supersicher".
Der EPR verfügt nicht über genügend passive Sicherheitssysteme, sondern setzt immer noch auf störanfällige Armaturen und Pumpen mit Motorantrieb, die bei einem Ausfall der Stromversorgung versagen.

"Die wesentliche Neuentwicklung des Europäischen Druckwasser-Reaktors ist ein Auffangbecken, in das - im Falle einer Kernschmelze - diese abfließen und gekühlt werden soll. Die IPPNW hält auch dieses zentrale Sicherheitssystem für nicht überzeugend. Einerseits müsste das Becken absolut trocken sein wenn sich die Schmelze darin ausbreiten soll, weil es sonst zu gefährlichen Dampfexplosionen kommen könnte. Andererseits müsste zur Kühlung der Kernschmelze diese anschließend gezielt mit Wasser bedeckt werden, was aber die gefürchteten Dampfexplosionen geradezu herbeiführen kann." (Zitat IPPNW)

Auch für den EPR werden Menschen in Uranbergwerken und durch radioaktive Emissionen in der Umgebung von AKWs, Wiederaufarbeitungsanlagen und Urananreicherungsanlagen sterben.

EPR-Reaktoren unsicher
In Frankreich brach im November 2009 nach einem Warnbrief mehrerer Atomaufsichtsbehörden eine Debatte über die Sicherheit der neuen Generation von Atomreaktoren los. Greenpeace appelliert an Paris, den Bau des EPR-Reaktors im nordfranzösischen Flamanville einzustellen. Hintergrund ist ein Warnschreiben der französischen, britischen und finnischen Atomsicherheitsbehörden, die Nachbesserungen bei der Sicherheit des EPR-Reaktors verlangen. Es sei insbesondere notwendig, das Steuersystems des Reaktors im Notfall unabhängig vom normalen Betriebssystem zu machen, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.


Krebs und neue AKW
Alte und neue AKW geben über den Schornstein und das Abwasser auch im so genannten "Normalbetrieb" und bei Störfällen ständig Radioaktivität an die Umwelt ab. Aus einer Studie, die das Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten Akw-Standorten.
Es ist davon auszugehen, dass Krebs nicht nur bei Kleinkindern auftritt, sondern dass auch Kinder und Erwachsene betroffen sind – deren Erkrankungsraten wurden bisher allerdings weltweit noch nicht in einer vergleichbaren Weise systematisch untersucht.

Der Euroreaktor als geplanter Exportartikel
erhöht die Gefahr, dass neue Staaten in den Besitz von Atomwaffen gelangen. "Aus der Vergangenheit, dem Export eines AKWs an den Irak, werden keine Lehren gezogen", meint Jean-Jacques Rettig vom französischen Umweltverband CSFR. "Wer AKWs betreibt, kann auch Atombomben bauen. So gefährden EDF, EnBW, Siemens und Areva für kurzfristige Gewinne den Weltfrieden". Dies galt insbesondere für den Außendienstmitarbeiter dieser Konzerne, für den ehemaligen französischen Staatspräsidenten Sarkozy.

Die Planungen für den EPR
begannen lange vor dem 11. September 2001. Einem jederzeit möglichen Terroranschlag können sie nicht standhalten. Ein Terroranschlag oder ein Reaktorunfall könnten große Teile Zentraleuropas dauerhaft unbewohnbar machen. Ein Land mit AKW`s ist erpressbar. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat der französischen Regierung "Zensur" bei der öffentlichen Debatte über den neuen Druckwasserreaktor-Typ EPR vorgeworfen. Auf Druck eines "hohen Beamten im Verteidigungsministerium" sei die September 2005 die Veröffentlichung eines Dokuments verhindert worden, nachdem der EPR einem Anschlag wie am 11. September 2001 in New York nicht standhalten würde.

EPR - Europäischer Druckwasserreaktor - Nicht gesichert gegen Terroranschläge und Flugzeugabsturz


Auch in einem Euroreaktor ist eine Kernschmelze möglich. "Siemens und Areva versuchten auf der Basis des ökonomisch Machbaren eine Lösung gegen die Gefahr eines Super-GAUs (schwerer Kernschmelzunfall mit massiver Freisetzung von Radioaktivität) zu finden; doch keine der geplanten technischen Vorkehrungen kann als 'Lösung' bezeichnet werden: So sind die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb des EPR gegen eine unkontrollierte Kernschmelze allesamt auf 'Niederdruckkernschmelzen' ausgelegt. Ihre Funktionsfähigkeit ist sehr umstritten". (Zitat Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz - BBU)

Neues AKW in Finnland: Pleiten, Pech und Pannen
Der französische Atomkonzern Areva musste laut Financial Times im Dezember 2006 wegen Schwierigkeiten mit dem Bau des ersten europäischen Druckwasserreaktors in Olkiluoto / Finnland eine Gewinnwarnung ausgeben. Nach Recherchen von Technology Review gab es beim Bau des EPR große technische Probleme mit dem Gießen der Betonschicht unter dem Reaktor.

Susan Boos berichtete am 31.5.2007 in der WOZ über die Probleme in Olkiluoto:
Vor einem Jahr publizierte die finnische Atomaufsichtsbehörde Stuk einen Bericht, der scharfe Kritik an den Bauherren enthält. Unter vielen anderen diese Punkte:

  • Areva arbeite mit Firmen zusammen, die überhaupt keine Erfahrung im AKW-Bau hätten.
  • Die Sicherheitskultur werde vernachlässigt: Den Zulieferfirmen werde nicht klargemacht, dass beim Bau eines Atomkraftwerkes besondere Sicherheitsanforderungen gälten; Mängel würden nicht weitergemeldet; die Kommunikationswege seien verworren.
  • Sprachprobleme auf der Baustelle führten zu Missverständnissen und Fehlern.
  • Wegen des fixen Preises stehe Areva unter enormem Kostendruck und wähle deshalb die günstigsten und nicht die besten Zulieferer.
  • Es werde mit veralteten Methoden gearbeitet. So wurden zum Beispiel wichtige, grosse Stahlteile von Hand zusammengeschweisst, was heute nicht mehr üblich ist.

Schon beim Betonfundament traten die ersten gravierenden Probleme auf. Das Betongemisch enthielt zu viel Wasser, was seine Festigkeit beeinflusst. Die Anlage soll sechzig Jahre in Betrieb sein, muss enormen Belastungen und aggressiven Chemikalien standhalten. Als die TVO festgestellt habe, dass mit dem Beton etwas nicht stimme, wurden die Arbeiten sofort für zwei Monate unterbrochen
Zitatende

Nachtrag: Notbremse auf finnischer AKW-Baustelle
Angesichts ausufernder Milliardenverluste zieht der französische Atomtechnikkonzern Areva beim Bau des weltweit ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Finnland die Notbremse. Areva drohte, die letzten Bauphasen so lange auf Eis zu legen, bis der finnische Partner TVO neuen Vereinbarungen über Fristen, Kosten und Praktiken zustimme. Man wolle "im Rahmen des Vertrags die Kundenbeziehung neu definieren, um ein effizienteres Projektmanagement" zu erreichen. Doch ist das eigentliche Problem die unkontrollierbaren Kosten eines AKW-Neubaus: Die Projektverluste bei der französischen Firma addieren sich bereits heute auf 2,3 Milliarden Euro. Der finnische EPR ist zudem schon mehr als drei Jahre im Verzug. Aus dem Vorzeigeprojekt der Nuklearindustrie wird ein Wegschauprojekt.
Mehr Infos hier


Was tun?
Engagement ist nötig. Es gilt gerade auch in Finnland und Frankreich, die kostengünstigen Alternativen zu den rückwärts gewandten Projekten der Atomindustrie aufzuzeigen. Eine zukunftsfähige, nachhaltige und klimafreundliche Energiepolitik muss auf einer Kombination aus Dezentralität, Kraft-, Wärmekopplung, regenerativen Energiequellen und Energie sparen bestehen. Ohne eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete weltweite Wirtschaftspolitik, werden wir diesen Planeten aber mit und ohne Atomenergie gegen die Wand fahren. Mit den Euroreaktoren geht das dann nur ein wenig schneller.
Axel Mayer




Aktueller Einschub



Friedensnobelpreis 2017


Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) bekommt den Friedensnobelpreis 2017. Ican hat sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht. Der Preis geht endlich einmal an an die Richtigen und wir gratulieren.
Leider interessieren sich die Medien nicht dafür, warum neue AKW den Weg für neue Atombomben bahnen...

Die nordkoreanische Atombombe und der blinde Fleck der Wahrnehmung
Die letzten Atomwaffenversuche Nordkoreas und die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Trump vor der UN und seine Ansage: „Dann haben wir keine andere Wahl als die totale Zerstörung Nordkoreas“ zeigen die gefährliche Zuspitzung der Lage. Der Konflikt nimmt eine Dimension an, die nicht nur Millionen Opfer fordern kann, sondern den Weltfrieden gefährdet. Die Zuspitzung der Krise zeigt aber auch, was es bedeutet, wenn Neurotiker an der Spitze von Atomwaffenstaaten bei ihren kindisch-gefährlichen Sandkastenspielen über die schrecklichsten Vernichtungswaffen der Welt verfügen.

Die zunehmende Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen durch den Export von neuen AKW in Spannungsgebiete und durch die Entwicklung und Verbreitung neuer, kleiner Reaktoren ist der große blinde Fleck der aktuellen Berichterstattung.

Mehr Informationen hier.



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Dieser Artikel wurde 12600 mal gelesen und am 9.1.2015 zuletzt geändert.