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Energievorräte - Energiereserven - Energieressourcen: Ölpreis & Öl, Uran, Gas, Kohle: Wie lange reichen die Energievorräte ?


Energievorräte - Energiereserven - Energieressourcen: Ölpreis & Öl, Uran, Gas, Kohle: Wie lange reichen die Energievorräte ?


Im Internet und den Medien
finden sich zum Thema weltweite Energievorräte (Uran, Erdöl, Erdgas, Kohle, Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie) die unterschiedlichsten, häufig interessengeleiteten Angaben. Wir versuchen hier einige Infos zum Thema weltweite Energievorräte zusammenzutragen. Die aufgeführten Studien über die Endlichkeit von Uran, Erdöl, Erdgas und Kohle zeigen die Dimension der kommenden Energiekrise. Sie berücksichtigen häufig nicht ausreichend, dass bei Ressourcenverknappung auf andere Technologien (aktuell z. Bsp. das extrem umweltbelastende Fracking) umgestiegen wird, weil die Verknappung zu einem massiven Preisanstieg führt. Dies kann dazu führen, dass einige der alten Energieträger, bei mittelfristig massiv erhöhten Preisen einige Jahre länger vorhanden sind als in den Prognosen erwartet wird. Das ändert aber aber nicht am Grundproblem einer in Kürze drohenden weltweiten Energiekrise. Steigende Preise für Öl (Benzin) und Uran und Kriege um Öl und Ressourcen sind die ersten Hinweise auf kommende Kriege und Konflikte.

Der Ölkonzern BP, dessen gesunkene Ölplattform den Golf von Mexiko verseuchte,
hatte laut TAZ noch in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 einen Nettoprofit von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Ölkatastrophe wird langfristig Auswirkungen auf die Öl- und Benzinpreise haben. „Die Kosten werden definitiv ansteigen“, sagte der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Nobuo Tanaka.
Die Verteuerung von Öl und Benzin werde aus zwei Gründen geschehen: Durch höhere Sicherheitsstandards bei Tiefseebohrungen und durch höhere Versicherungsprämien, warnte Tanaka in der Süddeutschen Zeitung. Noch weiter ging der Chefvolkswirt der Energieagentur, Fatih Birol: „Die Ära des billigen Öls geht zu Ende.“

Im Jahr 2012 steuerte der Benzinpreis auf einen Rekord zu und die Preise steigen weiter.


Peak Oil war 2008
Dr. Werner Zittel (Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH) untersuchte 2011 für das Forschungsprojekt "Save our Surface" u.a. die Verfügbarkeit von Erdöl, Erdgas und fossiler Kohle. Hier, kurz zusammengefasst, die wichtigsten Ergebnisse: Im Jahr 2008 wurde das weltweite Ölfördermaximum Peak Oil mit großer Wahrscheinlichkeit überschritten. Der Förderrückgang wird die weltweit verfügbare Ölmenge im Jahr 2030 auf etwa die Hälfte der heutigen Menge reduzieren. Dies führt dazu, dass im Jahr 2030 Mitteleuropa nur noch geringe Mengen Erdöl zu überproportional hohen Kosten importieren wird. "Mit jedem entnommenen Fass Erdöl sinkt der Lagerstättendruck, die Fördersituation wird stetig schwieriger.“

Auch bei Erdgas und Kohle ist nach dieser Studie "Save our Surface" die Verknappung absehbar. Die Erdgasförderung in Europa hat den Höhepunkt überschritten. Sie wird bis zum Jahr 2030 vermutlich auf 15-20% der heutigen Förderung zurückgehen. Auch Fracking wird diesen Prozess lediglich um wenige Jahre aufschieben. Bei Kohle ist der Peak Supply 2020-2030 zu erwarten. In Europa muss bereits wesentlich früher mit einer angespannten Versorgungssituation gerechnet werden.

Die Bundesanstalt für Geowissenchaften und Rohstoffe (BGR) datierte im Oktober 2012 den Peak in der globalen Ölförderung auf Mitte der 2030er Jahre. Im Vordergrund dieser „optimistischen Prognose“ stehen vor allem neue Funde von Schieferöl, Ölsande und Tiefseeöl. Die Erschließung dieser „neuen Quellen“ u.a. durch Fracking ist allerdings extrem umweltschädlich und sehr teuer. Die Zeiten des billigen Öls sind vorbei.


Energiereserven und Peak Oil


Die Atommlobby,
u.a. organisiert im Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen, fasst auf ihrer Homepage (am 7. Sept. 2005) die heutigen Erkenntnisse zusammen, allerdings ohne die Steigerungsraten des Verbrauchs einzubeziehen.

„Wie lange reichen die Energievorräte der Welt?
Teilt man die aus heutiger Sicht technisch und wirtschaftlich abbaubaren Reserven durch den jetzigen Verbrauch, erhält man die so genannte statische Reichweite. Diese beträgt für Erdöl rund 41, für Erdgas 67, für Kohle 192 und für Uran (ohne Brutreaktoren) rund 50 Jahre.“ Zitatende

Nach den realen Zahlen fließen dann die Zukunftshoffnungen der Atomlobby in den Text der Homepage ein:
„Die statische Reichweite ist aber nur bedingt aussagekräftig, da sich einerseits der Verbrauch ständig ändert und andererseits immer noch neue Vorkommen entdeckt werden. Bei steigenden Energiepreisen lohnt sich auch der heute noch nicht wirtschaftliche Abbau von Vorräten.“ Zitatende

Die Umweltorganisation Greenpeace
hat im Jahr 2006 eine Studie über die Reichweite der Uranvorräte der Welt erstellt. Nach dieser Studie können die heute bekannten Uranvorräte einen steigenden Bedarf nicht decken. "Unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien zur weltweiten Entwicklung des Kraftwerkbestandes, scheinen die Uranvorräte etwa zwischen 2026 und 2070 erschöpft. Geht man davon aus, dass Atomkraft tendenziell rückläufig ist, mit Ausbaubemühungen nur weniger Länder, werden die Vorräte nach realistischen Schätzungen bis circa 2050 reichen."

"Selbst wenn wir kalkulieren, dass die Preise für Uran enorm steigen und damit die Ausbeutung bislang unwirtschaftlicher Minen interessant wird, sind die Uranlager in spätestens 70 Jahren erschöpft", sagt Dr. Werner Zittel, Energieexperte bei der Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH in Ottobrunn. Alle Vorschläge, die Atomenergie auszubauen, vernachlässigen die Tatsache, dass die Rohstoffbasis für diese Technologie erheblich schrumpft und keinen weiteren Ausbau mehr zulässt."

Die Forscher der Energy Watch Group

haben errechnet, dass selbst bei hohen Uranpreise der Höhepunkt der Uranförderung etwa 2035 erreicht sein wird und maximal bis dahin der Brennstoffbedarf der Atomkraftwerke abgedeckt werden könnte. Sollte es – wie von der IEA empfohlen – zu einem Ausbau der Atomenergie kommen, würde bereits vor 2030 der Uranbrennstoff knapp werden. "Die Atomausbauziele der IEA sind auf Uransand gebaut, der gar nicht da ist", so Zittel.

Auch die Streckung der Uranreserven mit Schnellen Brütern ist bisher weltweit trotz massiver Forschungsunterstützung gescheitert. Es sind zurzeit keine Erkenntnisse bekannt, dass sich Schnelle Brüter technologisch oder gar kommerziell im notwendigen großen Stile verwirklichen lassen.


Der Schnelle Brüter: Ewig Strom - Dank Atom?
Die Technologie des “Schnellen Brüters” wird von der Atomindustrie gerne als eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft dargestellt. So schreibt der Industrielobbyist Michael Miersch in der Zeitschrift -Die Welt-: “Der Einsatz von Wiederaufarbeitungsanlagen und der Brütertechnologie kann die Reichweite der bekannten Uranvorkommen um das 30- bis 60-Fache verlängern.” Was er nicht beschreibt sind die Gefahren der Brutreaktoren.
Ein schwerer Atomunfall in einem Druckwasserreaktor oder Siedewasserreaktor kann große Landstriche dauerhaft unbewohnbar machen und viele Opfer fordern. Explodieren wie eine Atombombe können diese Atomkraftwerke aber nicht. Atomexplosionen sind "nur" bei einem Plutoniumreaktor vom Typ "Schneller Brüter" möglich.” Die Folgen eines schweren Unfalls, der sich alle ca. 100000 Reaktorjahre ereignen kann, berechnet für den nie fertiggestellten Brutreaktor in Kalkar: 1.400 Soforttote, 52000 bis 2,7 Million Folgetote; etwa eine Million Menschen müssen umgesiedelt werden, auf einer Fläche von 260 km mal 260 km ist Jahrhunderte lang keine Landwirtschaft mehr möglich, eine Fläche von 90 km mal 90 km muss oberflächlich abgetragen werden. Die Auswirkungen liegen um das 2 bis 5 Fache höher als beim Super-Gau eines LWR.” Quelle: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung e. V.

Die Fachzeitschrift Politische Ökologie schreibt:

Bei den Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale Agentur des OECD (International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:
• ein Ende des Erdöls um 2035,
• von Erdgas vermutlich vor 2040,
• Kohle reicht bis maximal 2100. Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass sie die anderen Energieträger ersetzen muss
und gleichzeitig zu einem gesteigerten CO2- Ausstoß führt.
• Uran reicht bei der heutigen Förderung nur bis 2040.
• Schon 2010 produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des Öls. Das verschafft diesen, teilweise politisch
instabilen Ländern eine bedeutende Machtposition - nicht nur über die Preise. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus, das
Deutschland im Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland importieren wird.

Quelle: Zeitschrift "Politische Ökologie"

Exkurs:
Peak Metall: Auch Metalle sind endlich
Beim Weltwirtschaftsforum 2012 in Davos wurde auch die Endlichkeit von Metallen aufgezeigt. Nur eine deutliche weltweite Steigerung der Ressourceneffizienz kann einen schnellen Engpass bei metallischen Rohstoffen abwenden. Der Umweltinformationsdienst ENDS Europe berichtete,dass die Recyclingrate laut der Untersuchung von derzeit 38 Prozent auf 51 Prozent bis 2030 steigen muss, damit die Welt um einen "Peak Metal" herumkommt.
Quelle: More with Less: Scaling Sustainable Consumption and Resource Efficiency


Peak Kohle?
Im Fachblatt „Nature" warnten im November 2010 zwei amerikanische Wissenschaftler des Post-Carbon-Instituts in Kalifornien: „Eine Energiepolitik, die von einem fast grenzenlosen Kohleangebot ausgehe, sei dringend zu überdenken.“ „Tatsächlich ziehen verschiedene neue Studien eine pessimistische Bilanz. Manche gehen davon aus, das Fördermaximum für Kohle sei nicht mehr Jahrzehnte entfernt, sondern nur noch Jahre. Ist dieser Peak einmal erreicht, dann ist der Anfang vom Ende absehbar. In der Nachfrage nach Kohleenergie sind solche Einschätzungen jedenfalls nicht spürbar. Länder wie China, Indien, Australien, Polen und Südafrika beziehen heute Strom und Wärme zu 70 bis 90 Prozent durch die Verbrennung von Kohle. Allein die Industrie Chinas wird im Jahr 2035 laut der Internationalen Energieagentur (IEA) mehr als 50 Prozent mehr Kohle verbrennen als heute. Wegen dieses enormen Bedarfs an Kohleenergie glauben Experten, dass die Vorräte schneller aufgebraucht seien, als bisher viele denken. Grundsätzlich gehen die Schätzungen aber weit auseinander, weil die nationalen Daten vielfach unzuverlässig sind.“ schreibt die Basler Zeitung in ihrer Ausgabe vom 18.11.2010

Die teilweise sehr unterschiedlichen,
häufig stark interessengeleiteten Zahlen zu den Energievorräten der Welt zeigen deutlich die Endlichkeit dieser Ressourcen an. Ein plötzliches, abruptes Ende der Förderung von Gas, Öl, Uran und Kohle ist dennoch nicht zu erwarten, eher ein langsames Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserhöhung und damit verbundenen sozialen Verwerfungen. Doch das unlösbare Grundproblem der nicht regenerativen Energiequellen wie Uran, Gas, Öl und Kohle sind nach Ansicht von BUND Geschäftsführer Axel Mayer die Probleme eines unbegrenzten Wachstums und der damit verbunden ständig steigenden Nachfrage nach Energie.


Bei einem anhaltenden Wachstum des Energieverbrauchs
von 3% verdoppelt sich dieser alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum des Energieverbrauchs ist nicht möglich, auch wenn die Kohle, Öl- und Atomlobby anderes verkünden.


Unser Wirtschaftswachstum und die damit verbundene Raubbauwirtschaft
ist immer noch nicht abgekoppelt von einem überhöhten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und Uranzeitalters ist absehbar und rückt durch den bejubelten Export unseres Verschwendungssystems nach China und Indien noch näher. Ein Teil des bisher „unterentwickelten“ Rests der Welt (insbesondere China und Indien) ist gerade gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen und ähnlich Energie zu verschwenden wir wir. Der beginnende Autoboom in diesen Ländern wird in unseren Medien zumeist noch unkritisch bejubelt. Die Folgen dieses Booms für Energievorräte, Ökologie und Weltklima sind kein Thema. In China und Indien läuft zur Zeit das "spannendste ökologische Belastungsexperiment" der Menschheitsgeschichte. Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten Beispiel nacheifern?

Das weltweit knapper werdende Öl
löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Wir haben, so war in einer Anzeige in der "Financial Times" zu lesen, die erste Hälfte unseres Öls, nämlich 1000 Milliarden Barrel, in hundertdreißig Jahren verbraucht, für die zweite Hälfte, die zweiten tausend Milliarden Barrel, werden wir nur dreißig Jahre brauchen.


Peak Oil & Fracking? Ein Widerspruch?
"Während in Deutschland einige Energieveteranen alten Atomschlags vom Fracking träumen, verfliegt in den USA, der Supermacht der Schiefergasexploration, gerade die große Euphorie. Die Investitionen in die Ausbeutung von Schiefergas und -öl sind dort dramatisch abgestürzt. Ausländische Kapitalgeber hatten noch 2011 über 30 Milliarden Dollar investiert. Ein Jahr später waren es noch 7 Milliarden, vergangenes Jahr nur noch 3,4 Milliarden. Und die großen US-Frackingfirmen kämpfen gegen riesige Schuldenberge. Marktführer Chesapeake, einst der große Star am Börsenhimmel, musste Gasfelder und Pipelines im Wert von 6,9 Milliarden Dollar verkaufen, um seine dramatischen Schulden abzutragen. Shell hat Wertberichtigungen von 2 Milliarden Dollar auf sein US-Frackinggeschäft vornehmen müssen. Das Defizit von 80 großen Firmen lag 2013 zusammen bei 50,6 Milliarden Dollar. Fracking lohnt sich nicht! Und taugt nicht als Erlöserfantasie. Die Gaspreise müssen schon kräftig anziehen, um auskömmliche Geschäfte zu garantieren.
Peak Fracking ist erreicht
Zudem ist im US-Bundesstaat Texas der Peak der Förderung bereits überschritten. Ob dies auch für die gesamten USA gilt, müssen die Förderquoten der nächsten Jahre zeigen. Der Münchner Energieexperte Werner Zittel, einer der seriösen Beobachter des US-Frackingsbooms, glaubt, dass die USA zumindest bei der Gasförderung ihren Höhepunkt überschritten haben. Beim Öl rechnet er 2015 bis 2017 mit dem Peak. Wer sich die Verbrauchs- und Förderzahlen der USA ansieht, der sieht sofort, dass auch die selbstgefälligen Ankündigungen, die USA würden unabhängig von Öl- und Gasimporten werden, nicht mehr als eine schöne Illusion waren. Letztlich steht hinter den überzogenen Hochrechnungen der Fracking-Potenziale nichts anderes als der alte Glaube an die unbegrenzte Welt mit unendlichem Wachstum und unbegrenzter Energie. Doch die Schätzungen der Gas- und Ölvorkommen mussten immer wieder korrigiert werden. In Polen, lange Europas großer Hoffnungsträger in Sachen Fracking, sind die taxierten Vorkommen inzwischen um 90 Prozent geschrumpft."
Quelle: TAZ

Exkurs: Kriege um Öl
«Dank» dem Irakkrieg sitzen die US-Truppen heute (2008) auf einem Viertel der globalen Ölreserven, geschätzte 115 Milliarden Barrel Öl. Bei einem Ölpreis von 100 Dollar pro Fass ergibt dies eine Beute im Wert von 11’500’000’000’000 Dollar, oder 11,5 Billionen Dollar! Wer diese Beute kontrolliert, gehört zu den Gewin­nern. Die wenigsten Menschen können so grosse Zah­len überhaupt noch aussprechen. Einer, der es kann, ist Alan Greenspan, der frühere Vorsitzende der US-Noten­bank. «Ich finde es bedauerlich», so Greenspan, «dass es politisch unkorrekt ist zuzugeben, was alle schon wis­sen: Beim Irak-Krieg geht es um das Erdöl». Paul Wolfo­witz, der frühere Vize-Verteidigungsminister der USA, erklärte es so: «Der wichtigste Unterschied zwischen Nordkorea und Irak liegt darin, dass wir beim Irak aus wirtschaftlicher Sicht einfach keine Wahl hatten. Das Land schwimmt auf einem See aus Erdöl.»
Zitat: Daniele Ganser Historiker und Friedensforscher



Energiereserven, Peak Oil und die Folgen

Statt Energie einzusparen und die vorhandenen Alternativen zu fördern,
rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren und gefährlicheren Energiedroge Atomenergie. Die Forderung nach neuen Atomkraftwerken dient auch der psychologischen Entlastung viele Politiker der Atom- und Kohleparteien. Sie tragen die Hauptverantwortung für die bisherige und zukünftige Verschwendung von Energie, Rohstoffen und für die drohende Klimaveränderung. Die Werbeabteilungen der Atomkonzerne bieten Ihnen jetzt die Illussion sich aus der Verantwortung stehlen zu können. Aus Techinikoptimisten in Sachen Atomtechnologie werden Technikpessimisten, wenn es um Sonnenenergie, Windkraftwerke und Geothermie geht. Die Dauerregierungsmitglieder EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall verstärken ihren Einfluss auf Politik und Medien und gefährden die Demokratie.

Nur einen, zugegeben etwas makaberen,
positiven Effekt könnte das beginnende Auslaufen der fossilen Energievorräte haben. Die Klimaveränderungen würden langfristig weniger verheerend ausfallen als bisher angenommen, wenn Erdöl und Gas nicht durch Kohle ersetzt werden.


Das Wachstum im Bereich der Alternativen Energien,
gehört zu den wenigen hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate 1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies einem neuen AKW Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein Atomreaktor der Größe Beznau (CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Im Jahr 2007 lieferten die deutschen Windkraftwerke 38,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Der Zubau von Windkraftanlagen (WKA) wie auch windiges Wetter führten zu 27,5 Prozent mehr Windstromeinspeisungen als im Vorjahr. Durch die gute Produktion der Windmühlen konnte nach Kilowattstunden der Ausfall der Atomreaktoren Biblis A, Biblis B, Brunsbüttel und Krümmel mehr als ausgeglichen werden. Seit 2001 stieg in Deutschland die Lieferung von Windstrom um 260 Prozent. "Seit 2004 ersetzt der Zubau erneuerbarer Energien in Deutschland jedes Jahr ein Atomkraftwerk" , sagt Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien. Im Jahr 2007 nahm die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland sogar um fast 14 Milliarden Kilowattstunden zu, was der Erzeugung von anderthalb Atomkraftwerken entspricht. Bei etwa 140 Milliarden Kilowattstunden, die im vergangenen Jahr in Deutschland mittels Atomkraft erzeugt wurden, ließe sich bei unvermindert zügigem Ausbau der erneuerbaren Energien der Atomausstieg also binnen zehn Jahren kompensieren. Ende Juni 2008 waren in Deutschland Rotoren mit zusammen gut 23.000 Megawatt am Netz. Das teilten der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit. Die 17 deutschen Atommeiler kommen zusammen auf knapp 21.500 Megawatt
Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Windräder nicht so kontinuierlich Strom liefern, wie wie Atomkraftwerke (wenn diese nicht durch Wartungsarbeiten, Stör- und Unfälle abgeschaltet sind).
“Trotz einer vermeintlichen Atom-Renaissance hat die Windkraft die Atomkraft auch international längst deklassiert, wenn man den Zubau betrachtet. Seit Anfang 2006 wurden weltweit rund 45.000 Megawatt Windkraft neu installiert, wie aus Zahlen der European Wind Energy Association (EWEA) hervorgeht. Zugleich lag die Leistung der neu in Betrieb genommenen Atomkraftwerke laut internationaler Atomenergiebebehörde IAEA bei lediglich 3.347 Megawatt. Rechnet man gegen, dass seither acht Atomreaktoren mit zusammen 2.236 Megawatt abgeschaltet wurden, so stieg die AKW-Leistung weltweit binnen zweieinhalb Jahren nur um 1.100 Megawatt. Im Vergleich dazu wurde 40-mal so viel Windkraft installiert.” berichtete die TAZ am 24.7.2008. Erfolgreich ist auch die Fotovoltaik, die in der weltweiten Produktion allein von 2007 auf 2008 um über einhundert Prozent wuchs, auf eine jährliche Weltproduktion von mehr als fünf Gigawatt. Fotovoltaik ist heute noch die teuerste aller erneuerbaren Energien, aber als Halbleitertechnologie realisiert sie rasche Kostensenkungen mit schnellen Erhöhungen des Produktionsvolumens.

Und genau dieses positive Wachstum der zukunftsfähigen Energien wurde bis zum Atomunfall in Fukushima von den Anhängern der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bekämpft, denn jede neue Photovoltaikanlage und jedes neu gebaute, privat finanzierte Windrad nimmt den AKW - Betreibern und den Atomkonzernen EnBW, RWE, Vattenfall und E.on Anteile an der Stromproduktion weg. Widerstand gegen Windräder wegen Vögeln, Fledermäusen und Landschaftsschutz? It´s the money - stupid!


Die erneuerbare Energien sind Energiequellen,

die sich durch natürliche Prozesse laufend erneuern. Sie stehen nach menschlichen Zeitmaßstäben unendlich lange zur Verfügung. Erneuerbare Energien haben drei originäre Quellen: Strahlung der Sonne, Kraft der Gezeiten, Wärme des Erdinneren (Geothermie). Sonne, Mond und Erde stellen diese unerschöpflichen Energien umweltverträglich zur Verfügung. Die Sonne strahlt jährlich in Deutschland auf jeden Quadratmeter so viel Energie, wie in 100 Litern Öl enthalten ist. In der Sahara ist es sogar doppelt so viel. Ein Windrad hat sich nach einem halben Jahr (4- 7 Monate) Betrieb energetisch armortisiert, d.h. nach diesem halben Jahr erzeugt es „netto“ Strom. 130.000 Arbeitsplätze waren im Jahr 2004 in Deutschland direkt oder indirekt auf die Nutzung der regenerativen Energien zurückzuführen.
Im Jahr 2012 wurde in Deutschland eine Kilowattstunde Solarstrom für 16 bis 18 Cent erzeugt. Vor 25 Jahren kostete die KWh aus der Sonne noch 1 Euro und vor 12 Jahren noch 70 Cent. Die Bundesregierung geht davon aus, dass in etwa zehn Jahren die Kilowattstunde Solarstrom für acht bis zehn Cent gewonnen werden kann.


Der derzeitige Weltenergiebedarf

liegt bei etwa 400 Exajoule (400 Milliarden Milliarden Joule) pro Jahr. Ein Exajoule entspricht der energetischen Menge, welche die Erde in 6 Sekunden von der Sonne empfängt und den Weltverbrauch an Primärenergie im Jahr 2000 innerhalb von 21 Stunden deckt. In einer Studie aus dem Jahr 2003 mit dem Titel "Energiewandel zur Nachhaltigkeit" prognostiziert der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen (WGBU) die Potenziale der erneuerbaren Energien für das Jahr 2100 folgendermaßen:

weltweite Wasserkraft: Der Wert des Potenzials für Wasserkraft könnte sich bis 2100 auf ca. 15 EJ pro Jahr steigern lassen.

weltweite Bioenergie / nachwachsende Rohstoffe: "Der Beirat schätzt das globale moderne Bioenergiepotenzial auf etwa 100 EJ pro Jahr, die sich zu 20% aus der Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe sowie zu jeweils etwa 40% aus forstwirtschaftlichen Reststoffen und Energiepflanzen ergeben. Ein derartiger Ausbau ist aber nur innerhalb von Jahrzehnten erreichbar." Nach Ansicht des BUND darf dies aber nicht dazu führen, dass Menschen hungern müssen und dass weitere Wälder zur Biospritgewinnung abgeholzt werden.

weltweite Windkraft:
"Bei der Windenergie kann nur ein gewisser Anteil des berechneten globalen technischen Potenzials als nachhaltig nutzbar angesehen werden. Der Beirat empfiehlt daher global etwa 140 EJ pro Jahr als langfristig erreichbaren Beitrag der Windenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung." Andere Experten sehen hier noch mehr Potentiale.

weltweite Solarenergie: "Im Gegensatz zu allen anderen Formen erneuerbarer Energien sind die technischen und auch die nachhaltig nutzbaren Potenziale der Sonnenenergie vor dem Hintergrund aller Zukunftsprojektionen menschlichen Energieeinsatzes praktisch unbegrenzt."

weltweite Erdwärme: "Erdwärme hat ein großes technisches Potenzial und steht im Gegensatz zu Sonnen- und Windenergie kontinuierlich zur Verfügung. Das nachhaltig nutzbare Potenzial wird vom Beirat dennoch bis 2100 nur sehr vorsichtig auf 30 EJ pro Jahr eingeschätzt." Quelle: http://www.wbgu.de/wbgu_jg2003.pdf

Den zerstörerischen Traum
von dauerhaftem, unbegrenzten Wachstum im begrenzten System Erde können allerdings auch die Alternativenergien nicht erfüllen. Wer den American Way of Life mit Energie- und Rohstoffverschwendung, mit Umwelt- und Innenweltverschmutzung auf den Rest der Welt übertragen will, der fährt diesen Planeten mit und ohne regenerative Energiequellen gegen die Wand. Mit Wind- und Sonnenenergie geht das dann nur ein wenig langsamer.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer / Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband TRAS


Energievorräte & Energiereserven: Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme





Energiepolitische Bilanz des ersten Halbjahrs 2014
Welt weit verliert die Atomkraft und die Photovoltaik beschleunigt ihren Siegeszug.


03.07.2014 von Raimund Kamm

In Deutschland ist bei neuen Anlagen der PV-Strom jetzt preiswerter als der Strom aus neuen Atom- und Kohlekraftwerken.

Atomkraft verliert langsam
Laut Zahlen der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) wurde weltweit im ersten Halbjahr 2014 ein Großreaktor in China in Betrieb genommen und mit dem Bau eines Kleinreaktors in Argentinien begonnen. Offiziell sind gegenwärtig noch 438 Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 373 Gigawatt (GW) in Betrieb. Also weniger Reaktoren als im Jahr 2000.

Wie viele Atomreaktoren weltweit den Betrieb oder Bau beginnen oder beenden
Wenn man berücksichtigt, dass in Japan offiziell noch 48 Atomreaktoren in Betrieb sind, aber gegenwärtig kaum einer von diesen läuft, wird sichtbar, wie die Atomkraft verliert.

Weltweite Ausbauerfolge bei Photovoltaik
Marktforscher berichten, dass wir im ersten Halbjahr 2014 weltweit eine Stromerzeugungskapazität bei den Solaranlagen von 150 Gigawatt erreicht haben. Im Jahr 2005 waren es erst 5 GW. Für Ende des Jahres 2014 halten die Marktforscher schon das Erreichen von 200 GW für möglich. Der Solarausbau boomt insbesondere in China, Indien, Japan und Großbritannien, Es ist abzusehen, dass in wenigen Jahren die installierte Photovoltaik mehr Kapazität haben wird als die Atomkraft. Dieser Erfolg wurde insbesondere auch durch technische und politische Entwicklungen in Deutschland ermöglicht. In Deutschland selber ist durch immer mehr gesetzliche Hindernisse der Solarausbau auf ein Drittel zusammengebrochen.

PV-Vergütung brach in Deutschland die 9 ct/kWh Grenze
Jetzt im Juli 2014 neu ans Netz gehende Großanlagen bekommen in Deutschland für 20 Jahre fest je Kilowattstunde 8,92 Cent vergütet. Kleine Dachanlagen 12,88 Cent. Strom aus neuen Gas- und Kohlekraftwerken kostet mehr. Und da Gas wie Kohle begrenzte Rohstoffe sind und deswegen teurer werden, wird der Preis je Kilowattstunde anders als bei den PV-Anlagen in den nächsten 20 Jahren steigen. Also Gas- und Kohlestrom wird noch teurer werden und der PV-Strom bleibt 20 Jahre lang bei den erreichten niedrigen Kosten. Phantastisch!

Schon 31 Prozent unseres Stroms aus Erneuerbaren Energien erzeugt
Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme hat Stromzahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Insbesondere günstiges Wetter hat dazu geführt, dass Biomasse, Solar, Wasser und Wind schon 31 Prozent unserer Stromerzeugung ausgemacht haben. Da Strom aus Erneuerbaren Energien noch Einspeisevorrang hat, mussten die Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke gedrosselt werden. Zugleich erzielten wir einen neuen Rekord beim Stromexport.

Der Gegenschlag von EON, RWE und ihren Politikern wird härter
Doch jede Solar- und jede Windanlage nimmt den Atom- und Kohlekraftwerken Umsatz und Gewinn. Und das führt Energiekonzerne wie EON und RWE, die den Wechsel zu den Erneuerbaren Energien bekämpft und verweigert haben, Richtung Untergang. Ihnen verbundene Politiker wie S. Gabriel, H. Kraft, A. Merkel und H. Seehofer tuen viel, um die Energiewende abzubremsen, so dass EON und RWE weiter machen können. Sie haben die Vergütungen für den PV-Strom zu schnell gesenkt und sie schikanieren die Landwindkraft. Die Folgen sind mehr Atommüll, mehr Klimaschaden und bald hunderttausend vernichtete Arbeitsplätze in der Branche der Erneuerbaren Energie. Und Deutschland verliert die Führung bei diesen Zukunftstechnologien.
Quelle: Raimund Kamm 2014


Bis 2050: 100 Prozent Ökostrom in Deutschland
Neue UBA-Studie: Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien ist realistisch

Bis 2050 lässt sich die deutsche Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umstellen. Dies ist mit der besten bereits heute am Markt verfügbaren Technik möglich. Voraussetzung ist aber, dass der Strom sehr effizient genutzt und erzeugt wird. Das zeigt eine im Jahr 2010 vorgelegte Studie des Umweltbundesamtes (UBA) „Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen“. Sie basiert auf dem Szenario „Regionenverbund“. Dabei nutzen alle Regionen Deutschlands ihre Potentiale
für erneuerbare Energien weitgehend aus. Es findet ein deutschlandweiter Stromaustausch statt. In einer Folgestudie untersucht das Umweltbundesamt zwei mögliche Alternativen zum Szenario Regionenverbund, das Szenario „Großtechnologie“ und das Szenario „Autarkie“. zur Studie des UBA


Nachtrag
Wissenschaftler der Universitäten Stanford und Davis
haben im Jahr 2010 in einem Plan für eine emissionsfreie Welt bis 2030 errechnet, dass die weltweite Umstellung auf Erneuerbare Energien rund 100 000 Mrd. US $ kosten wird. Deutlich höher sind die Kosten, für das Festhalten an den fossil- atomaren Energien, so die heute veröffentlichten Berechnungen von Dr. Werner Zittel von der Energy Watch Group in München.
Dr. Werner Zittel hat errechnet, dass weltweit im Jahr 2008 zwischen 5500 – 7750 Mrd. $ für Brennstoffe, Kraftstoffe und Strom ausgegeben wurden (Investitionen in fossile und atomare Energien). Bereits ein Anstieg der Energiepreise um 20% würde die Ausgaben auf fast 10.000 Mrd. $ pro Jahr ansteigen lassen. Dies entspräche in 20 Jahren 200 000 Mrd. US $. Dabei sind die externen Kosten der fossil-atomaren Energien wie Klimawandel, Gesundheitskosten und atomare Risiken in der Rechnung nicht einmal enthalten.

Folglich ist die weltweite Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien bis 2030 nur halb so teuer wie die gesamte Brennstoffbereitstellung im selben Zeitraum für fossile und atomare Energiekosten. Damit ist wissenschaftlich klar bewiesen: Eine vollständige weltweite Umstellung auf Erneuerbare Energien ist sowohl ökonomisch sinnvoll und technologisch machbar!


hier finden Sie den Plan für eine Emissionsfreie Welt bis 2030 von Prof. Jacobson
hier finden Sie die Berechnungen von Dr. Werner Zittel:
Quelle: Hans Josef Fell MdB 2010



Im Blickpunkt: Klimaschutz und Kernenergie
Das erfolgreiche Wachstum des heimischen Markts für erneuerbare Energien in den letzten Jahren hat deutschen Unternehmen eine herausragende Position im globalen Markt für diese Technologien verschafft. Am derzeitigen weltweiten Investitionsvolumen von rund 100 Mrd. Euro sind sie mit knapp 20% beteiligt. Geht man von weltweit ernsthaften Bemühungen zum Klimaschutz aus, wird sich der Weltmarkt für erneuerbare Energien bis 2020 verdrei- bis vervierfachen.
Deutschland hat Dank seiner führenden Position bei diesen Technologien beste Karten, daran mit einem Umsatzvolumen von 50 bis 70 Milliarden Euro pro Jahr zu partizipieren, was dann etwa 500 000 Arbeitsplätzen entspricht.
Diese Position lässt sich aber nur sichern, wenn das Wachstum des heimischen Marktes für erneuerbare Energien weiterhin so erfolgreich verläuft wie bisher. Eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken, möglicherweise noch in Verbindung mit dem Bau zu vieler neuer Kohlekraftwerke, würde die Chancen auf diese neuen zukunftsfähigen Leitmärkte für die deutsche Volkswirtschaft zunichte machen.
Vor diesem Hintergrund ist der (bis jetzt noch) politisch beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland ein außerordentlich kluger und wichtiger Schritt in Richtung des notwendigen raschen Strukturwandels in der Energieversorgung. Verbunden mit dem starken Wachstum von Wind- Sonnenenergie- Biomasse- und Erdwärmeanlagen ist Deutschland ein wichtiges Vorbild für andere Staaten. Als eine der bedeutendsten Volkswirtschaften hat Deutschland die einmalige
Chance, eine zukunftsfähige und klimaschutzverträgliche Energieversorgung zu schaffen und damit gleichzeitig volkswirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Dr. Joachim Nitsch
Referent für Energie beim LNV
Sachverständiger für innovative Energiesysteme und Klimaschutz
Quelle: LNV 14.1.2009



Wichtiger Nachtrag:
Der Beitrag der Atomenergie zur Weltenergieversorgung: Nur 2%


Die so genannte „friedliche Nutzung der Atomenergie“ wurde in den 1960er Jahren begonnen, erreichte ihren Höhepunkt etwa 1985 und ist seitdem rückläufig. Im Jahr 2008 ging weltweit nicht ein einziges Atomkraftwerk ans Netz. Die Atomenergie trägt heute nur rund 2% zur Gesamt-Energieversorgung der Menschheit bei. Warum eigentlich wird dieser 2%-Technik in der Politik noch eine so große Bedeutung beigemessen?

Der Beitrag der Erneuerbaren Energien: Schon 18%
Schon im Jahr 2006 deckten die Erneuerbaren Energien nach internationalen Statistiken 18% des weltweiten Gesamt- Energiebedarfs (REN 21). Und der weitere Ausbau geht unaufhörlich weiter und kommt mit großen Schritten voran. Die wachsende Konkurrenz um die knappen fossilen Energiequellen zwingt zum raschen Umstieg auf 100% Erneuerbare Energie. Übrigens: Die bisher in Deutschland installierten Windenergieanlagen produzieren zeitweise schon mehr Strom als alle deutschen Atomkraftwerke zusammen. Hinzu kommt noch der Strom aus Photovoltaik- und Biogasanlagen.

Die Welt-Energieversorgung

Mit einer 2%-Technik löst man das Klimaproblem nicht
Mit ihrem 2%-Anteil löst die Atomenergie weder das Energie- noch das Klimaproblem. Auch der Zubau neuer Atomkraftwerke kann an diesem geringen Anteil kaum etwas ändern: Selbst eine Vervierfachung der Atomkraftwerkskapazität bis 2050 – wie von der Atomindustrie in den Raum gestellt – könnte nur 6% zur angestrebten Halbierung der CO2-Emissionen beitragen (Szenario der Internationalen Energie Agentur, Juni 2008).
Die einzige Alternative: Wir steigen um auf 100% Erneuerbare Energien. Ein solches Energiesystem ist inzwischen ausgereift und in kurzer Zeit realisierbar.
Quelle: IPPNW



Peak Oil: Wie lange reicht denn das Öl noch?


“Wie lange reicht denn das Öl noch?” Diese Frage wird Erdölgeologen häufig gestellt. Die Antwort auf diese Frage ist ebenso einfach wie verblüffend: Ewig! Doch halt, haben wir da nicht ein Problem, angesichts der hohen Ölpreise, dem Slogan “Weg vom Öl”, der Diskussion um Alternativen? Die Frage muss anders formuliert werden, denn dahinter steckt eine ganz andere Problematik: wie lange noch reicht das billige Öl, das unseren Lebensstandard in den letzten Jahrzehnten so dramatisch erhöht hat, und: für wie viele Menschen wird es reichen? Die Antworten auf diese Fragen von “offizieller” Seite sind ebenfalls ganz einfach: “Vor 40 Jahren hat man geunkt, dass das Öl in 40 Jahren alle ist, und heute haben wir immer noch Reserven für 40 Jahren!“ Ende der Diskussion.

Stimmt das?
Die Antwort ist nicht mehr ganz so einfach. Denn zunächst muss definiert werden, was mit “Ölreserven” gemeint ist. Kompliziert wird es aufgrund der Tatsache, dass es sehr unterschiedliche Arten von Erdöl gibt, die mit Hilfe von Dichte, Viskosität und der Art der Vorkommen unterschieden werden. Öl tritt nicht frei an der Erdoberfläche auf, sondern muss im Untergrund erst mit aufwendigen Methoden gesucht und dann gefördert werden. An manchen Stellen der Erde ist das Öl leicht zu erschliessen, an anderen Stellen nur mit grosser Mühe, beispielsweise in ozeanischen Bereichen. Hinzu kommen die sogenannten “Teersande”, die erst durch aufwendige Prozesse zu Erdöl verarbeitet werden können, ebenso wie die sogenannten “Ölschiefer”, die gar kein Öl enthalten, sondern lediglich eine Vorstufe, das sogenannte Kerogen.

Wenn alle diese Vorkommen
in die Reservenkalkulation mit einbezogen werden, stimmt die Behauptung der “40 Jahre” ohne Zweifel, sie ist sogar pessimistisch. Eine Reservenkalkulation
ist jedoch nur sinnvoll, wenn die Anteile der verschiedenen Ölarten unterschieden werden. Wir brauchen billiges Öl, um Auto fahren zu können, in den Urlaub fliegen zu können, um unsere Häuser zu heizen, und um verschiedene Industrieprozesse kostengünstig ablaufen lassen zu können.

Es liegt auf der Hand,
dass das Öl, bevor es gefördert werden kann, zunächst gefunden werden muss. Der Höhepunkt der Auffindung der Neufunde des billigen, leicht gewinnbaren Öls lag vor 40 Jahren! Seither gehen die Neufunde rasant zurück. Seit 2005 hat die Förderung von Billigöl nicht mehr zugenommen, sie nimmt sogar leicht ab. Geologen bezeichnen das Fördermaximum als “peak oil”, nach der grafischen Darstellung der weltweiten Förderkurve, die einer (ziemlich deformierten) Glockenform entspricht. Dabei ist der aufsteigende Ast der Kurve größtenteils technisch vorgegeben, der absteigende Ast ist physikalisch bestimmt. Denn es dauert eine Weile, bis ein Ölfeld mit einer bestimmten Anzahl Bohrungen optimal erschlossen ist. Danach nimmt die Ölförderung in jedem Feld mehr oder weniger kontinuierlich ab, denn es kann nur das vorhandene Ölvolumen gefördert werden (und auch hiervon nur ein Teil, im Mittel etwa 40%), und je länger die Förderung dauert, umso grösser ist der Anteil von Wasser (oder Gas) der in die Fördersonden strömt. Ein einfaches Phänomen der Massenbilanz, denn was dem Untergrund entnommen wird, muss durch etwas anderes (vor allem Wasser, das in den Gesteinsporen im Überfluss vorhanden ist) ersetzt werden. Weil ziemlich genau bekannt ist, wie viel “billiges“ leicht gewinnbares Öl in der Vergangenheit gefunden wurde, kann auch – mit Fehlern von ein paar Jahren – der entsprechende Zeitpunkt des Fördermaximums bestimmt werden. Ob das im Jahr 2005 war oder erst 2011 oder 2015 sein wird, ist unerheblich.

Die Frage ist also: wie lange reicht das Billigöl?
Dass es damit nicht gut aussieht, wird langsam begriffen. Aber es gibt ja noch die Alternativen, das sogenannte “unkonventionelle Öl” aus den Ozeanen, die Teersande und den Ölschiefer! Alle diese “Alternativen” gehören jedoch nicht in die Kategorie Billigöl. Sie sind schwer zu fördern, die Vorkommen sind relativ klein und liegen in schwer erreichbaren ozeanischen Bereichen, oder sie sind nur langsam und in verschwindend geringen Mengen – bezogen auf die weltweite Gesamtförderung im Prozentbereich – zu synthetisieren, wie beispielsweise das Öl aus Teersanden oder Öl aus “Ölschiefer”, dessen Gewinnung unsinnig ist. Hier wird mehr Energie in die Produktion hineingesteckt, als im gewonnenen Öl enthalten ist.

Die Feststellung “das Öl reicht immer für die kommenden 40 Jahre”
ist also, bezogen auf das Billigöl, Unsinn. Die Aussage beruht auf der unbewiesenen optimistischen Annahme, dass technischer Fortschritt in der Zukunft die Förderung unkonventioneller Vorkommen ebenso einfach macht wie die von Billigöl. Diese Annahme wird eine Illusion bleiben! “Das Öl” wird nie “ausgehen”. Es bleibt jedoch die Frage: für wie viele Menschen wird billige Energie weiterhin verfügbar sein? Bei steigender Weltbevölkerung und abnehmender Billigölförderung ist die Antwort klar.


Peak-Oil und dauerhaftes Wachstum


Bei einer Zunahme der Weltbevölkerung
von heute 6,8 Milliarden auf über 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 wird klar, dass der Energiebedarf nicht mehr durch “billiges” Öl gedeckt werden kann. Energie wird teuer und für einen grossen Teil der Menschheit unbezahlbar sein. Der Zugang zu Energie wird stärker noch als in der Vergangenheit das Verhältnis zwischen
Produzenten- und Verbraucherländern bestimmen. Wenn der “american way of living” tatsächlich nicht verhandelbar ist, wie die Bush-Administration einst verlauten liess, dann war der Irak-Krieg eher der Auftakt als das Ende der Ressourcen-Kriege.

Das Verschwinden des billigen Öls
äussert sich letzten Endes auch in der Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und Agrotreibstoffen, die zu höheren Nahrungsmittelpreisen führt und bereits jetzt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) zu Einschränkungen zwingt. Wenn diese Entwicklung so weitergeht wie bisher, wird zur Stillung unseres Energiehungers kein Strohhalm für andere Lebewesen mehr übrigbleiben. An kaum einem anderen Beispiel lässt sich die grausame Konsequenz dieser verhängnisvollen Aufforderung zeigen: ” Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch Untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht”. Die Bio-Energiegewinnung ist der Schritt in die Kannibalisierung unserer Umwelt.

Ernährung, Energie und Mobilität
sind jedoch nicht die einzigen Angelpunkte, die durch den Verlust billiger Energie ausgehebelt werden. Die Verteilung von Energie innerhalb von Gesellschaften
enthält ein Konfliktpotential, dass kaum abzuschätzen ist, das aber gelegentlich an die Oberfläche der scheinbar funktionierenden Gesellschaften durchschimmert. Wie belastbar die westlichen Demokratien sein werden, wenn Benzingutscheine eingeführt werden und Heizöl dauerhaft kontingentiert wird, muss sich erst noch zeigen.
Diese Überlegungen sind keine Schwarzmalerei. Jeroen van der Veer, Vorstandsvorsitzender von Shell, beschreibt in einer Stellungnahme zur künftigen Energieversorgung, dass wir heute vor der Entscheidung stehen, die unvermeidbaren Änderungen in unserem Energiekonsum über eine geplante Entwicklung (“blueprints”) oder durch einen rücksichtslosen Wettlauf (“scramble”) zu erreichen. Bereits 2015 werde die Versorgung des Marktes mit leicht förderbarem Erdöl und Erdgas nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten. Das Ergebnis des Umstellungsprozesses wird in jedem Fall dasselbe sein: die Welt wird schon bald mit wesentlich weniger fossiler Energie auskommen müssen als heute. Kaum absehbar ist, wie Wirtschafts- und Lebensgewohnheiten schon in naher Zukunft so verändert und optimiert sein sollen, dass das Ende des billigen Öls nicht als ein tiefgreifender Bruch in der Menschheitsgeschichte wahrgenommen werden wird. Die Hoffnung auf Innovation, technischen Fortschritt und die Anpassungsfähigkeit des Menschen wird das grundsätzliche Problem begrenzter Ressourcen nicht lösen, solange die Ursache des Leidens nicht angepackt wird: der Name der Krankheit lautet “exponentielles Wachstum”. Das Versiegen des billigen Öls bietet eine Chance, den tödlichen Verlauf dieser Krankheit zu erkennen. Solange
anderen Lebewesen auf unserem Planeten das Existenzrecht genommen wird zugunsten einer immer weiter wachsenden Weltbevölkerung und solange jeder Erdenbewohner sein Lebensziel in der Anhäufung von immer mehr überwiegend nutzlosen Dingen sieht, wird es keine “Heilung” geben.

Peak Oil und die Folgen


Gibt es also überhaupt keine Alternativen?
Es fällt schwer, sich eine Welt mit Elektroautos vorzustellen, wenn bereits jetzt die Versorgung mit Elektrizität vielerorts an die Grenzen der Kapazität stösst. Blickt man zurück in die Zeit vor der Nutzung fossiler Energien, dann sieht die Energie-Zukunft jedoch möglicherweise gar nicht so schwarz aus. Menschen haben Jahrtausende
ohne Erdöl gelebt und sind auch nicht ursächlich an der Nichtverfügbarkeit von Benzin, Diesel und Kerosin gestorben. Ob dies heute in Zeiten mit dem 10-15-fachen der
biologisch tragfähigen Weltbevölkerung gelten kann, ist freilich zu bezweifeln. Erdöl – so wie wir es heute vorwiegend ver(sch)wenden – ist nicht lebensnotwendig. Die spannende Frage im Zusammenhang mit der künftigen Energieverfügbarkeit lautet: wird es gelingen, das Wachstumsdogma zu überwinden?


Ein Beitrag von Prof. Dr. Wolfgang Blendinger auf der Fachtagung der SES "Energiekrise als Chance" am 17. Sept. 2010 in Zürich
Wir danken der SES für die Abdruckerlaubnis und für die erfreuliche langjährige Zusammenarbeit


Prof. Dr. Wolfgang Blendinger
TU Clausthal, Institut für Geologie & Paläontologie
Leibnizstraße 10
D-38678 Clausthal-Zellerfeld

Quelle: Tagungsband der
Schweizerischen Energie-Stiftung SES
Sihlquai 67
CH-8005 Zürich
E-Mail: infoenergiestiftung.ch
www.energiestiftung.ch



Nachtrag:


Das alternative Potenzial im Überblick
Europa und seine Nachbarn können sich vollständig ohne fossile und atomare Stromerzeugung versorgen.

In einem großräumigen Netz werden Schwankungen leicht kompensiert.

Quelle: Natur und Kosmos




Nachtrag:



Mit neuen Elektroheizungen wird der Strombedarf und die Ressourcenverschwendung gezielt in die Höhe getrieben
„Mit neuen Atom- und Kohlekraftkraftwerken decken wir nur den wachsenden Bedarf“ sagen die Energieversorgungsunternehmen EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall. Gleichzeitig läuft eine bundesweite Werbekampagne für elektrische Direktheizungen und Nachtspeicheröfen.
Für diese teuere, umweltschädliche, für die Konzerne aber gewinnbringende Form der elektrischen Energie- und Rohstoffverschwendung wird zur Zeit massiv geworben. So wird gezielt Energie verschwendet und „Bedarf“ für neue Kraftwerke geschaffen, während öffentlich über Energiesparlampen diskutiert wird.



Energie, Enrgiereserven, Wachstum & Wachstumskritik





Der Fahrplan zur Sonne


Von Sebastian Pflugbeil

Bis 2050 können erneuerbare Energiequellen Europa komplett mit Strom versorgen, sagen auch wirtschaftsnahe Institute. Doch die Bundesregierung
will es nicht glauben


Am 13. April 2010 wurde eine bemerkenswerte Studie der Europäischen Klimastiftung ECF unter dem Stichwort »Roadmap 2050« vorgestellt. Die
Studie stützt sich auf Analysen von fünf erfahrenen Institutionen, die alles andere als für »grüne Spinnereien« bekannt sind: das Imperial College
London, Kema, McKinsey Co., Oxford Economics und das Office of Metropolitan Architecture. Darin geht es um den Vergleich realistischer Wege zu einer
klimaneutralen europäischen Energieversorgung bis zum Jahre 2050. An der Studie arbeiteten Vertreter großer deutscher und europäischer
Stromversorger (RWE, Vattenfall, E.on), führender Netzbetreiber (Tennet, Energienet/DK, Entso-e), Hersteller von Kraftwerkstechnik (Siemens, Vestas)
und Umweltorganisationen (WWF, Germanwatch, E3G) mit. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien für
ganz Europa machbar ist. Zudem wird glasklar nachgewiesen, dass das weder teurer noch weniger verlässlich ist als das heutige System. Dabei wird
nicht auf künftig mögliche neue technische Errungenschaften spekuliert, die Studie setzt nur auf bereits vorhandene Technologien. Sie bezieht lediglich
15 Prozent Solarstrom aus Kraftwerken in Nordafrika und eine stärkere Nutzung der Erdwärme in die Kalkulation ein.

Die deutsche Politik scheint dies allerdings nicht zu glauben, sie steuert jedenfalls kräftig dagegen. Anfang des Jahres war die Solarförderung bereits turnusmäßig um neun Prozent gesunken. Nach einem schwarz-gelben Gesetzentwurf soll die Einspeisevergütung für Solarstrom von Dachanlagen ab dem 1. Juli um zusätzliche 16 Prozent gekürzt werden. Die Beihilfen für Anlagen für Freiflächen sollten um elf Prozent fallen, die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen ganz gekappt werden. Im Bundesrat wurde bereits gegen den Gesetzesvorstoß interveniert, mit Kanzlermehrheit kann dem dennoch zugestimmt werden. Umweltverbände wie Politiker fordern -
fraktionsübergreifend - Nachbesserungen. Die Solarförderung müsse in kalkulierbaren und maßvollen Schritten abgesenkt werden, damit zukunftsträchtige Strukturen nicht zerschlagen würden, erklären sie. Von der Gefährdung mehrerer tausend Arbeitsplätze ganz zu schweigen. Angesichts des erreichten Standes der Fachdiskussion provozieren die energiepolitischen Vorhaben der Bundesregierung energischen Widerspruch.

Dabei stehen Befürworter und Gegner der Kernenergie vor den gleichen Herausforderungen:

  • Es ist unstrittig, dass die Energieversorgung langfristig mit Sonnenenergie in ihren verschiedenen Formen auskommen muss. Denn Öl, Gas und Uran reichen
    nur noch einige Jahrzehnte, sicher nicht mehr einige Jahrhunderte. Die Expertin Astrid Schneider weist in ihrem Buch »Störfall Atomkraft« nach, dass auch das Uran in weniger als hundert Jahren am Ende ist.
  • Es ist unstrittig, dass die Sicherung der Energieressourcen anderer Länder ein Hauptgrund für die Kriege der letzten Jahre ist. Im Irak und in Afghanistan ging es um nichts anderes. Der amerikanische Sicherheitsexperte Zbigniew Brzezinski hat die Schlüsselrolle des Nahen und Mittleren Ostens für die globale Energieversorgung, ja sogar für die Weltherrschaft, in seinem Buch »Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft« betont - zwei Jahre vor dem 11. September 2001. Jetzt fehlt nur noch der Iran zur Umsetzung der macht- und energiepolitischen Träume der USA in Zentralasien. Es ist unstrittig, dass sich die Risiken der Kernenergienutzung mit längeren Laufzeiten erhöhen. Zudem sind Kernkraftwerke gegen Krieg und Terror nicht zu schützen. Schließlich ist die Endlagerung hoch radioaktiver
    Abfälle nicht gelöst. Man denke an die Skandalgeschichten von Asse, Gorleben und Morsleben. Dort ist bis heute Geheimhaltung, das Ausradieren unbequemer wissenschaftlicher Positionen wie der fahrlässige technischeUmgang mit Atommüllfässern an der Tagesordnung. Beängstigend ist zudem die Bereitwilligkeit, mit der führende Politiker den Atommüll aus Kernkraftwerken und Kernforschungszentren auf Kosten der Steuerzahler und unter Missachtung begründeter Warnungen verschwinden lassen wollen.
  • Es ist unstrittig, dass die militärische von der friedlichen Nutzung der Kernenergie nicht wirksam getrennt werden kann. Für die heutigen Atomwaffenstaaten USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Pakistan und Indien war die friedliche Nutzung der Kernenergie zunächst nur Mittel zum Zweck, und der Zweck war die Atombombe. Es ist unstrittig, dass die Kernenergienutzung von Anfang an massiv direkt und indirekt subventioniert wurde.
  • Es ist unstrittig, dass der Ausbau der Solarenergienutzung (Strom aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse) viel schneller erfolgte, als alle Fachleute erwartet haben. Der ursprünglich geplante Ausbau der Kernenergienutzung blieb dagegen weit hinter den Prognosen zurück.


So besteht die begründete Hoffnung, dass durch den Aufbau gut durchdachter Netzstrukturen Ertragsschwankungen der Solarenergienutzung stark verringert
oder ganz ausgeglichen werden können. In dieser Richtung wird in Nordeuropa bereits gearbeitet. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen arbeiten an der »North Seas Countries' Offshore Grid Initiative«. Ein 580 Kilometer langes Unterseestromkabel zwischen den Niederlanden und Norwegen liegt bereits.

Die Niederlande wollen überschüssigen Windstrom in norwegische Pumpspeicherstauseen abgeben und bei Windstille den Strom aus den Seen zurückholen.
Ebenso können wir hoffen, dass ein gewaltiges Netz im Mittelmeerraum Anlagen verbindet, die Sonnenenergie auf unterschiedliche Weise in Strom
umwandelt - und dies in einem Maße, dass ein Teil davon nach Nordeuropa geleitet werden kann. Die Arbeiten an Desertec - Strom aus der Wüste auch
für Mitteleuropa - haben begonnen. Diese Hoffnungen dürfen nicht verschleiern, dass solche neuen großräumig angelegten Energiekonzepte auch
mit schwer abwägbaren neuen Schwierigkeiten belastet sind. Es geht neben den technischen Tücken im Detail, die jede neue technische Entwicklung begleiten, um Politik mit teilweise politisch problematischen Partnern, um viel Geld im Bereich von Dutzenden von Milliarden Euro, das sich auch rechnen soll. Es geht auch um Machtkonzentration, die zu Missbrauch verführen kann, wie wir das von unseren deutschen Energiegiganten erlebt haben. Es geht schließlich auch um Schutz vor Zerstörung und Naturgewalten und darum, wie viel erneuerbare Energie man braucht, um diese gewaltigen Systeme aufzubauen und zu erhalten.

In der Auseinandersetzung mit den großen, auf zentrale Energieversorgungssysteme orientierten Konzernen und angesichts der Erfolge bei der Solarenergienutzung gab es die Vorstellung, den gesamtenEnergiebedarf mit kleineren dezentralen Systemen zur Energiegewinnung decken zu können. Diese Hoffnung halte ich insbesondere für Großstädte und Industriezentren, die zuverlässig kalkulierbare Energiebereitstellung und hohe Energiedichten brauchen, für gewagt.

Klar ist: Der Fahrplan zur Sonne ist ein längerfristiges Projekt. Doch Politik und Verbraucher können schon jetzt auf den Zug zur Sonneaufspringen, indem sie den Ausbau der Solarenergie nachdrücklich unterstützen - und den Zuschlag auf der Energierechnung akzeptieren. Er macht pro Monat kaum mehrals zwei Euro aus.


indem bei den anrollenden großtechnischen Solarenergieprojekten auf die Kontrolle der Macht und des Marktes geachtet und das Zusammenspiel mit dezentralen Solarenergiesystemen technisch und wirtschaftlich fair gewährleistet wird.
indem keine Steuergelder für eine (verkappte) militärische Beteiligung an Kriegen um Energieressourcen missbraucht werden indem der Ausstieg aus der
Nutzung der Kernenergie fortgesetzt wird. Jede Verlängerung der Laufzeiten behindert die Sonnenwende - und schafft noch mehr Atommüll.

Tschernobyl ist 24 Jahre her. Jene mit Gedächtnisverlust haben die Katastrophe samt ihren Lehren vergessen. Die Jungen kennen Tschernobyl lediglich als Geschichte, die nie unter die eigene Haut ging. Die Folgen halten aber noch Jahrzehnte bis Jahrhunderte an.


Sebastian Pflugbeil hat als Vertreter der DDR-Opposition 1989/90 in der Regierung Hans Modrow als Umweltminister den Weg für die Abschaltung sämtlicher Kernkraftwerke auf dem Gebiet der DDR geebnet. Und dies obwohl Energiekonzerne aus den alten Bundesländern bereits ihr Interesse an deren Weiterbetreibung bekundet hatten. Seit Langem ist der promovierte Physiker Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz.


Quelle: Publik-Forum Nr. 08 vom 23.04.2010
Impressum und Copyrights:
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(Wir danken für die Abdruckerlaubnis)




Frankfurter Rundschau - 08.08.2010

Brennstoff-Vorkommen / Das Uran wird knapp



Neue Berichte der europäischen und internationalen Kontrollbehörden zeigen: Der Brennstoff der Atomkraftwerke ist weder sicher, sauber, noch reichlich

Kurzer Auszug:
„Laut ESA-Bericht wurden schon 2009 weltweit 50,5 Kilotonnen Uran abgebaut. Der Verbrauch liegt aber seit Jahren über 65 Kilotonnen. Dass die Uranförderung Ende der 1950er Jahre rasant stieg, lag vor allem am Atom-Wettrüsten. Das hatte für die Kernkraft den Vorteil, dass Uran nicht verbraucht, sondern eingelagert wurde. Doch schon Anfang der 80er erreichte die Förderung mit etwa 70 Kilotonnen pro Jahr ihren Höhepunkt. Seither versiegen die leicht zugänglichen Vorkommen nach und nach, während sich der weltweite Uranverbrauch seit 1985 mehr als verdoppelte. Die Minen in Deutschland, Großbritannien und Frankreich, drei der Hauptverbraucher, sind seit fast zehn Jahren erschöpft. Frankreich, das 79 Prozent des Stroms von AKWs bezieht, muss sein Uran schon heute zu 15 Prozent aus Kasachstan und Usbekistan holen - und zu fast einem Viertel aus Afrika, wo Umwelt und Millionen Menschen verseucht werden.

Dennoch konnte der gesamte Uran-Abbau in den vergangenen zehn Jahren nur 60 bis 70 Prozent des Weltbedarfs decken. Die Lücke wird gefüllt durch Lagerbestände und abgerüstete Waffen. Wiederaufbereitete Brennstäbe bringen es auf nur vier Prozent des Weltbedarfs, Deutschland beendete die Wiederaufbereitung 2005. Das US-Energieministerium warnt bereits vor leeren Lagern: Ab 2018 müsse die USA fast ihr gesamtes Uran zukaufen.“
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Dieser Artikel wurde 11556 mal gelesen und am 5.7.2014 zuletzt geändert.