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Energiekrise und Energiereserven: Drohen "Benzinaufstände"?


Benzinpreis, Ölpreis & Energie


Der Ölpreis ist nach dem krisenbedingten Einbruch auf dem Höhenflug

An Ostern 2010 lag der Benzinpreis im Schnitt bei 1,43 und der Preis für Diesel bei 1,21 Euro je Liter. Und die Preise werden steigen


Der Ölkonzern BP, dessen gesunkene Ölplattform den Golf von Mexiko verseucht,
hatte laut TAZ noch in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 einen Nettoprofit von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Ölkatastrophe wird massive Auswirkungen auf die Öl- und Benzinpreise haben. „Die Kosten werden definitiv ansteigen“, sagte der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Nobuo Tanaka.
Die Verteuerung von Öl und Benzin werde aus zwei Gründen geschehen: Durch höhere Sicherheitsstandards bei Tiefseebohrungen und durch höhere Versicherungsprämien, warnte Tanaka in der Süddeutschen Zeitung. Noch weiter ging der Chefvolkswirt der Energieagentur, Fatih Birol: „Die Ära des billigen Öls geht zu Ende.“

Schon früher hatte die IEA befürchtet, dass sich der Ölpreis in den nächsten Jahren verdreifachen könnte. Hinzu kommt, dass nach den Berechnungen des Ludwig-Bölkow-Instituts schon 2009 weltweit der Höhepunkt der Ölförderung erreicht war und jetzt kontinuierlich zurückgehe während gleichzeitig die Nachfrage steige.

100-Dollar-Grenze für ein Barrel Erdöl überschritten
Schon am 2. Januar 2008 erreichte der Preis für ein Barrel Erdöl spekulationsbedingt erstmals die 100-Dollar-Grenze. Der Erdölhändler Richard Arens hatte für 100’000 Dollar 1000 Barrel gekauft. Arens tat es offenbar, um in die Geschichte einzugehen, damit er einst "seinen Enkeln erzählen kann, er sei der Erste gewesen, der soviel zahlte", wie die Medien berichteten. Ende Januar 2008 fiel der Preis wieder unter 90 Dollar. Doch Ende Februar ging er wieder über die 100-Dollar Grenze, das 100-Dollar-Ereignis war also nichts Einmaliges. Plötzlich war es für AnalystInnen vorstellbar, dass das Barrel bald 150 oder 200 Dollar kosten könnte.


Der Benzinpreis
erreichte vor der Krise 2008 auch in Südbaden mit Preisen von bis zu 1,48 Euro/Liter Superbenzin seinen bisherigen Höchststand. An Ostern 2010 lag der Benzinpreis im Schnitt wieder bei 1,43 und der Preis für Diesel bei 1,21 Euro je Liter. Ursache dieser Preisentwicklung ist aktuell die Habgier der großen Ölkonzerne und Spekulanten und eine weltweite neoliberale Politik, die diese Habgier nicht stoppt sondern fördert.

Doch langfristig wird das knapper werdende Öl die Preise explodieren lassen
Die Fachzeitschrift Politische Ökologie schreibt:
"Bei den Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale Agentur des OECD (International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:
  • ein Ende des Erdöls um 2035,
  • von Erdgas vermutlich vor 2040,
  • Kohle reicht bis maximal 2100. Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass sie die anderen Energieträger ersetzen muss und gleichzeitig zu einem gesteigerten CO2- Ausstoß führt.
  • Uran reicht bei der heutigen Förderung nur bis 2040.
  • Schon 2010 produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des Öls. Das verschafft diesen, teilweise politisch instabilen Ländern eine bedeutende Machtposition - nicht nur über die Preise. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus, das Deutschland im Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland importieren wird." Zitatende

Quelle: Zeitschrift "Politische Ökologie



Energiereserven und Peak Oil


Ein plötzliches, abruptes Ende der Förderung von Gas, Öl, Uran und Kohle
ist dennoch nicht zu erwarten, eher ein langsames Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserhöhung und damit verbundenen sozialen Verwerfungen. Doch das unlösbare Grundproblem der nicht regenerativen Energiequellen wie Uran, Gas, Öl und Kohle sind die Probleme eines unbegrenzten, globalen Wachstums und der damit verbunden ständig steigenden Nachfrage nach Energie.

Energiereserven und Peak Oil

Das weltweit knapper werdende Öl
löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie obwohl Uran ebenfalls nur noch wenige Jahrzehnte reichen wird. Jetzt, nach dem vorläufigen Ende der Finanz- und Wirtschaftkskrise steigen die Öl- Diesel- und Benzinpreise wieder massiv.

Wir haben,
so war in der "Financial Times" zu lesen, die erste Hälfte unseres Öls, nämlich 1000 Milliarden Barrel, in 130 Jahren verbraucht, für die zweite Hälfte, die zweiten tausend Milliarden Barrel, werden wir nur dreißig Jahre brauchen. Öl, Gas und Uran sind endlich und die Vorräte in Kürze erschöpft.


Elektroautos sind (noch) keine Alternative
Mit dem derzeitigen Energiemix, den heute vorhandenen PKW-Batteriesystemen und den überschweren Autos sind die Elektroautos (noch) nicht zukunftsfähig und keine Alternative.

Was im Mittelalter Brotaufstände
waren, könnten in wenigen Jahren Benzinaufstände sein und die Armen werden im Winter frieren. Wenn wir nicht schnell auf alternative Energien und Energiesparen setzen und die globale Raubbauwirtschaft beenden, sind massive soziale Verwerfungen und Krisen absehbar.


Axel Mayer, BUND Geschäftsführer

hier mehr Infos: globale Energiereserven, Ölpreis und Alternativen zu Öl, Uran und Gas

Ölpreis, Benzinpreis, Energie & Energieverschwendung





Der Fahrplan zur Sonne


Von Sebastian Pflugbeil

Bis 2050 können erneuerbare Energiequellen Europa komplett mit Strom versorgen, sagen auch wirtschaftsnahe Institute. Doch die Bundesregierung
will es nicht glauben


Am 13. April 2010 wurde eine bemerkenswerte Studie der Europäischen Klimastiftung ECF unter dem Stichwort »Roadmap 2050« vorgestellt. Die
Studie stützt sich auf Analysen von fünf erfahrenen Institutionen, die alles andere als für »grüne Spinnereien« bekannt sind: das Imperial College
London, Kema, McKinsey Co., Oxford Economics und das Office of Metropolitan Architecture. Darin geht es um den Vergleich realistischer Wege zu einer
klimaneutralen europäischen Energieversorgung bis zum Jahre 2050. An der Studie arbeiteten Vertreter großer deutscher und europäischer
Stromversorger (RWE, Vattenfall, E.on), führender Netzbetreiber (Tennet, Energienet/DK, Entso-e), Hersteller von Kraftwerkstechnik (Siemens, Vestas)
und Umweltorganisationen (WWF, Germanwatch, E3G) mit. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien für
ganz Europa machbar ist. Zudem wird glasklar nachgewiesen, dass das weder teurer noch weniger verlässlich ist als das heutige System. Dabei wird
nicht auf künftig mögliche neue technische Errungenschaften spekuliert, die Studie setzt nur auf bereits vorhandene Technologien. Sie bezieht lediglich
15 Prozent Solarstrom aus Kraftwerken in Nordafrika und eine stärkere Nutzung der Erdwärme in die Kalkulation ein.

Die deutsche Politik scheint dies allerdings nicht zu glauben, sie steuert jedenfalls kräftig dagegen. Anfang des Jahres war die Solarförderung bereits turnusmäßig um neun Prozent gesunken. Nach einem schwarz-gelben Gesetzentwurf soll die Einspeisevergütung für Solarstrom von Dachanlagen ab dem 1. Juli um zusätzliche 16 Prozent gekürzt werden. Die Beihilfen für Anlagen für Freiflächen sollten um elf Prozent fallen, die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen ganz gekappt werden. Im Bundesrat wurde bereits gegen den Gesetzesvorstoß interveniert, mit Kanzlermehrheit kann dem dennoch zugestimmt werden. Umweltverbände wie Politiker fordern -
fraktionsübergreifend - Nachbesserungen. Die Solarförderung müsse in kalkulierbaren und maßvollen Schritten abgesenkt werden, damit zukunftsträchtige Strukturen nicht zerschlagen würden, erklären sie. Von der Gefährdung mehrerer tausend Arbeitsplätze ganz zu schweigen. Angesichts des erreichten Standes der Fachdiskussion provozieren die energiepolitischen Vorhaben der Bundesregierung energischen Widerspruch.

Dabei stehen Befürworter und Gegner der Kernenergie vor den gleichen Herausforderungen:

  • Es ist unstrittig, dass die Energieversorgung langfristig mit Sonnenenergie in ihren verschiedenen Formen auskommen muss. Denn Öl, Gas und Uran reichen
    nur noch einige Jahrzehnte, sicher nicht mehr einige Jahrhunderte. Die Expertin Astrid Schneider weist in ihrem Buch »Störfall Atomkraft« nach, dass auch das Uran in weniger als hundert Jahren am Ende ist.
  • Es ist unstrittig, dass die Sicherung der Energieressourcen anderer Länder ein Hauptgrund für die Kriege der letzten Jahre ist. Im Irak und in Afghanistan ging es um nichts anderes. Der amerikanische Sicherheitsexperte Zbigniew Brzezinski hat die Schlüsselrolle des Nahen und Mittleren Ostens für die globale Energieversorgung, ja sogar für die Weltherrschaft, in seinem Buch »Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft« betont - zwei Jahre vor dem 11. September 2001. Jetzt fehlt nur noch der Iran zur Umsetzung der macht- und energiepolitischen Träume der USA in Zentralasien. Es ist unstrittig, dass sich die Risiken der Kernenergienutzung mit längeren Laufzeiten erhöhen. Zudem sind Kernkraftwerke gegen Krieg und Terror nicht zu schützen. Schließlich ist die Endlagerung hoch radioaktiver
    Abfälle nicht gelöst. Man denke an die Skandalgeschichten von Asse, Gorleben und Morsleben. Dort ist bis heute Geheimhaltung, das Ausradieren unbequemer wissenschaftlicher Positionen wie der fahrlässige technischeUmgang mit Atommüllfässern an der Tagesordnung. Beängstigend ist zudem die Bereitwilligkeit, mit der führende Politiker den Atommüll aus Kernkraftwerken und Kernforschungszentren auf Kosten der Steuerzahler und unter Missachtung begründeter Warnungen verschwinden lassen wollen.
  • Es ist unstrittig, dass die militärische von der friedlichen Nutzung der Kernenergie nicht wirksam getrennt werden kann. Für die heutigen Atomwaffenstaaten USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Pakistan und Indien war die friedliche Nutzung der Kernenergie zunächst nur Mittel zum Zweck, und der Zweck war die Atombombe. Es ist unstrittig, dass die Kernenergienutzung von Anfang an massiv direkt und indirekt subventioniert wurde.
  • Es ist unstrittig, dass der Ausbau der Solarenergienutzung (Strom aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse) viel schneller erfolgte, als alle Fachleute erwartet haben. Der ursprünglich geplante Ausbau der Kernenergienutzung blieb dagegen weit hinter den Prognosen zurück.


So besteht die begründete Hoffnung, dass durch den Aufbau gut durchdachter Netzstrukturen Ertragsschwankungen der Solarenergienutzung stark verringert
oder ganz ausgeglichen werden können. In dieser Richtung wird in Nordeuropa bereits gearbeitet. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen arbeiten an der »North Seas Countries' Offshore Grid Initiative«. Ein 580 Kilometer langes Unterseestromkabel zwischen den Niederlanden und Norwegen liegt bereits.

Die Niederlande wollen überschüssigen Windstrom in norwegische Pumpspeicherstauseen abgeben und bei Windstille den Strom aus den Seen zurückholen.
Ebenso können wir hoffen, dass ein gewaltiges Netz im Mittelmeerraum Anlagen verbindet, die Sonnenenergie auf unterschiedliche Weise in Strom
umwandelt - und dies in einem Maße, dass ein Teil davon nach Nordeuropa geleitet werden kann. Die Arbeiten an Desertec - Strom aus der Wüste auch
für Mitteleuropa - haben begonnen. Diese Hoffnungen dürfen nicht verschleiern, dass solche neuen großräumig angelegten Energiekonzepte auch
mit schwer abwägbaren neuen Schwierigkeiten belastet sind. Es geht neben den technischen Tücken im Detail, die jede neue technische Entwicklung begleiten, um Politik mit teilweise politisch problematischen Partnern, um viel Geld im Bereich von Dutzenden von Milliarden Euro, das sich auch rechnen soll. Es geht auch um Machtkonzentration, die zu Missbrauch verführen kann, wie wir das von unseren deutschen Energiegiganten erlebt haben. Es geht schließlich auch um Schutz vor Zerstörung und Naturgewalten und darum, wie viel erneuerbare Energie man braucht, um diese gewaltigen Systeme aufzubauen und zu erhalten.

In der Auseinandersetzung mit den großen, auf zentrale Energieversorgungssysteme orientierten Konzernen und angesichts der Erfolge bei der Solarenergienutzung gab es die Vorstellung, den gesamtenEnergiebedarf mit kleineren dezentralen Systemen zur Energiegewinnung decken zu können. Diese Hoffnung halte ich insbesondere für Großstädte und Industriezentren, die zuverlässig kalkulierbare Energiebereitstellung und hohe Energiedichten brauchen, für gewagt.

Klar ist: Der Fahrplan zur Sonne ist ein längerfristiges Projekt. Doch Politik und Verbraucher können schon jetzt auf den Zug zur Sonneaufspringen, indem sie den Ausbau der Solarenergie nachdrücklich unterstützen - und den Zuschlag auf der Energierechnung akzeptieren. Er macht pro Monat kaum mehrals zwei Euro aus.


indem bei den anrollenden großtechnischen Solarenergieprojekten auf die Kontrolle der Macht und des Marktes geachtet und das Zusammenspiel mit dezentralen Solarenergiesystemen technisch und wirtschaftlich fair gewährleistet wird.
indem keine Steuergelder für eine (verkappte) militärische Beteiligung an Kriegen um Energieressourcen missbraucht werden indem der Ausstieg aus der
Nutzung der Kernenergie fortgesetzt wird. Jede Verlängerung der Laufzeiten behindert die Sonnenwende - und schafft noch mehr Atommüll.

Tschernobyl ist 24 Jahre her. Jene mit Gedächtnisverlust haben die Katastrophe samt ihren Lehren vergessen. Die Jungen kennen Tschernobyl lediglich als Geschichte, die nie unter die eigene Haut ging. Die Folgen halten aber noch Jahrzehnte bis Jahrhunderte an.


Sebastian Pflugbeil hat als Vertreter der DDR-Opposition 1989/90 in der Regierung Hans Modrow als Umweltminister den Weg für die Abschaltung sämtlicher Kernkraftwerke auf dem Gebiet der DDR geebnet. Und dies obwohl Energiekonzerne aus den alten Bundesländern bereits ihr Interesse an deren Weiterbetreibung bekundet hatten. Seit Langem ist der promovierte Physiker Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz.


Quelle: Publik-Forum Nr. 08 vom 23.04.2010
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Dieser Artikel wurde 993 mal gelesen und am 18.8.2010 zuletzt geändert.