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Endingen & massiver Flächenverbrauch 2018! Wie unbegrenztes Wachstum eine kleine, schöne Stadt gefährdet


Endingen & massiver Flächenverbrauch 2018! Wie unbegrenztes Wachstum eine kleine, schöne Stadt gefährdet



Am 18.September 2016 wurde in Endingen ein Bürgerentscheid gegen Flächenverbrauch in Endingen knapp gewonnen! Ein kleines Wunder angesichts der politischen Mehrheiten in Endingen.
51,1 % fühlten sich von CDU, SPD, Bürgervereinigung & Volksbank nicht vertreten und stimmten mit Nein, 48,9 % stimmten mit Ja! Es gibt wenige Kleinstädte die in den letzten Jahren so "explodiert" sind wie Endingen am Kaiserstuhl. Aber zerstörerisches Wachstum verlangt nach noch mehr Wachstum und die Wachstumslobbyisten scharren auch 2018 schon wieder mit den Hufen und wollen es diesmal "geschickter" anfangen...


Dankscheen!
Danke an die abstimmenden Menschen in Endingen, Amoltern, Kiechlinsbergen und Königschaffhausen. Dank an die Nachdenklichen, an die Unentschiedenen (die dann doch mit schwerem Herzen Nein gestimmt haben), an die Menschen welche die regionalen & globalen Grenzen des Wachstums erkennen und dennoch keinen Stillstand sondern kluge, behutsame Weiterentwicklung von Heimat wünschen. Danke an die, die Boden nicht für Dreck halten und Umwelt nicht gegen Soziales ausspielen wollen.
Wohin geht Endingen, wohin geht die Region und die Welt? Das Endinger Nein gibt erst einmal keine Antwort auf diese Frage, aber es verlangsamt an einer winzigen Stelle örtliche Zerstörungsprozesse...


Es ging dem BUND Nördlicher Kaiserstuhl und der Wählervereinigung "Bürgerbeteiligung" nicht nur um ein kleines Baugebiet. Es ging um die Frage: "Endingen Wohin?" Die Grenzen des Wachstums sind in Endingen überschritten, seit jenseits der L113 gebaut wurde. Irgendwann verändert das ungebremste Wachstum die Struktur und das Lebensgefühl in einer Gemeinde, in einer Region und die Lebensqualität sinkt. Wer sich die "angebrochenen, nur teilbebauten" Industrieflächen Endingens ansieht, der bemerkt, dass hier für zukünftige Entwicklungen und Ansiedlungen noch sehr viel Fläche zur Verfügung steht.

Das Erreichen des Quorums war mehr als schwierig. Wir benötigten zumindest 1518 Stimmen und haben 1573 Stimmen bekommen.
Im Konflikt waren die „Spieße bei der Abstimmung ungleich lang“.
Wir hatten nur einen Bruchteil des Geldes, über das die „JA-Kampagne“ verfügt. Die geballte Endinger Macht (erstaunlicherweise auch die genossenschaftliche Volksbank Freiburg) waren für den Flächenverbrauch. Alleine die Großanzeigen der JA-Gruppe haben ein Vielfaches unserer Kampagne gekostet. Diese finanzielle Ungleichheit (und den Gummibärenmangel!) haben wir mit Kreativität und Idealismus ausgeglichen. (Dank an die FlugblattverteilerInnen!)

Es war ein Erfolg, dass endlich einmal über die örtlichen Grenzen des Wachstums so intensiv diskutiert wurde. Hier zeigt sich auch ein vorsichtiges Umdenken und Nachdenken in einer kleinen Stadt. Es ist kein Erfolg der "Neinsager", sondern eher der Nachdenklichen. Auch eine positive, demokratische Endinger Streitkultur war im Meinungsstreit erkennbar. Das Ergebnis war sehr knapp. Das unglaubliche „23-zu-1-Verhältnis“ im Stadtrat für den Flächenverbrauch spiegelt sich nicht im Ergebnis...

Das Wyhler "NAI hämmer gsait" führte auch zur Entwicklung umweltfreundlicher Energiequellen. Das regionale NEIN zu den alten, umweltbelastenden Müllverbrennungsanlagen legte einen Grundstein für das fortschrittliche ZAK-Verfahren auf dem Kahlenberg. Das überraschende Endinger NEIN zum Flächenverbrauch könnte zu einer behutsameren, nachhaltigeren, weniger zerstörerischen Regionalentwicklung führen. Immer mehr Menschen erkennen die Grenzen des Wachstums und sind damit weiter als die Politik


Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer (für den BUND Nördlicher Kaiserstuhl und den BUND-Regionalverband




Die Endinger Bürgerinnen und Bürger entscheiden am 18. September 2016 über die im Norden der Stadt geplanten Gewerbeflächen. Die Frage lautet: "Sind Sie für eine Ausweisung weiterer Gewerbeflächen östlich des Gewerbegebiets Holderacker?" Ein deutliches "NEIN" auf dem Stimmzettel zum Flächenverbrauch ist ein "JA" zu einer verantwortlichen, ökologisch und sozial sinnvollen Weiterentwicklung der kleinen, (noch) liebenswerten Stadt am Kaiserstuhl.


Endingen Wohin?
Es gibt wenige Gemeinden, die in den letzten Jahrzehnten flächenmäßig so explodiert sind wie Endingen. Die BUND-Grafik über diesem Text sagt mehr als tausend Worte. Alleine in den letzten 25 Jahren wurden auf der Endinger Gemarkung fast 10% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Straßen, Bau- und Gewerbegebiete verwandelt – ein weitgehend irreversibler Prozess. Besonders erschreckend ist dabei, dass sich der Flächenverbrauch in diesem Zeitraum von der Bevölkerungsentwicklung fast vollständig abgekoppelt hat.

Am 18. September 2016 können die Menschen in Endingen entscheiden.


Die L113 neu war eigentlich als nördliche Begrenzung der Endinger Baugebiete gedacht
Doch in den letzten Jahren ist die Bebauung über diese Begrenzung geschwappt. Endingen wächst auch auf Kosten der Umlandgemeinden. Während in den Winzerdörfern Amoltern, Kiechlinsbergen und Königschaffhausen die dörfliche Infrastruktur mit Läden und Geschäften langsam verloren geht, konzentriert sich zwischenzeitlich alles in Endingen.

Ein "NEIN" beim Entscheid lässt Endingen nicht im Dornröschenschlaf versinken
Das bisherige Wachstum Endingens hat Arbeitsplätze und Steuerkraft gebracht. Doch die Grenzen des Wachstums sind überschritten, seit jenseits der L113 gebaut wurde. Irgendwann verändert das ungebremste Wachstum die Struktur und das Lebensgefühl in einer Gemeinde und die Lebensqualität sinkt. Wer sich die "angebrochenen, nur teilbebauten" Industrieflächen Endingens ansieht, der bemerkt, dass hier für zukünftige Entwicklungen und Ansiedlungen noch sehr viel Fläche zur Verfügung steht.

Endingen ist immer noch eine "konservative" Gemeinde
Doch der Begriff konservativ kommt von lateinisch conservare „erhalten, bewahren“ oder auch „etwas in seinem Zusammenhang erhalten“. In Endingen bedeutet konservativ leider fast immer ein uneingeschränktes JA zu jeder Form der Umweltzerstörung.
Moderne Konservative (und auch Sozialdemokraten) sollten "Fortschritt" immer auch kritisch hinterfragen. Alle Parteien sagen, der Flächenverbrauch sollte unbedingt verringert werden und alle Parteien "lieben" im Wahlkampf auch die Landwirte. Doch wenn es konkret wird, sind dies alles leider nur Sprüche.

Unser örtliches, regionales und globales Wachstum
führt dazu, dass gerade weltweit an jedem Tag zwei weitere Arten ausgerottet werden. In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet hat. Das Wetter-Jahr 2016 brachte eine Vorahnung des Klimawandels und war geprägt von vielen Extremwetterereignissen. Heftige Gewitter, Starkregen, drückende Schwüle, große Hitze, Temperaturschwankungen. Der Klimawandel könnte in der Hitzeregion Oberrhein die Lebensqualität mittelfristig so verschlechtern, dass sich die Flächenverbrauchsprobleme von alleine lösen. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Syteme und das gilt auch für Endingen.


Generationengerechtigkeit
Welche Chance haben Endinger Kinder (und auch künftige Bürgermeister) nach dem Wachstumsexzess der letzten Jahrzehnte überhaupt noch, selbst etwas zu gestalten? Haben wir heute das Recht, sie vor die Wahl zu stellen: "Entweder bescheidet Ihr Euch mit dem, was wir betoniert haben, oder Ihr verbraucht weiter und noch mehr Ackerland und Natur?"

Flächenverbrauch bringt der "armen Gemeinde Endingen" dringend benötigtes Geld
Dies ist ein wichtiges Argument vieler Endinger Stadträte für die Bebauung wertvollsten Ackerlandes, denn es löst Ängste aus. Doch welche andere Gemeinde hat in den letzten Jahren so viele Firmen und steuerzahlende Betriebe angesiedelt? Und dann reicht das Geld immer noch nicht? Es ist ein erstaunliches Phänomen, dass gerade die Gemeinden, die am schnellsten wachsen und wuchern, fast immer am wenigsten Geld haben. Durch immer neue Gewerbegebiete lassen sich solche hausgemachten Probleme nicht lösen. Warum soll ausgerechnet das Gebiet Mannsmatten die finanzielle Rettung bringen, wo die vielen anderen großen Baugebiete noch gar nicht vollständig bebaut sind?

Wenn die geplanten Baugebiete von Endingen,
Forchheim und den anderen Umlandgemeinden noch mehr zusammenwuchern, dann entsteht hässlicher Siedlungsbrei und Vorstadtmonotonie. Entlang der B3 zwischen Offenburg und Freiburg und an der Kaiserstuhl-Nordseite wachsen die Gemeinden auf Kosten der winzigen, verbliebenen Restnatur und auf Kosten der Landwirtschaft zusammen, und wir sind gerade dabei, das Liebenswerte unserer Heimat mit Macht und Beton zu zerstören. Unser Wachstum in Endingen geschieht auch auf Kosten anderer Gemeinden und schrumpfender Dörfer im Schwarzwald! Wir sollten bei der Ansiedlungspolitik nicht so agieren, als wenn die Nachbargemeinden unsere Feinde wären. Wenn gegen jede Vernunft dennoch „gewachsen werden muss“, dann sollte sorgfältig, nachhaltig, flächensparend und unter überregionalen Aspekten geplant und weniger scheußlich gebaut werden.
Wie es aussieht, wenn sich die lokalen Interessen durchsetzen und wenn nicht überregional klug geplant wird, kann man im Moloch „Mittlerer Neckarraum“ besichtigen.

Wir sollten auch in Endingen versuchen,
wertvollste Ackerflächen und das Liebenswerte unserer Stadt und Landschaft und die winzigen Reste von Natur in der Ebene zu erhalten. Nicht nur für die Touristen, sondern in erster Linie für die Menschen, die hier leben. Bei kommenden Krisen werden wir froh sein, noch wertvolle Ackerfläche für die Ernährungssicherung zu haben.

Beim Bürgerentscheid am 18.9. geht es nicht nur um die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen östlich des Gewerbegebiets Holderacker. Es geht darum aufzuzeigen, dass die explosionsartige Entwicklung Endingens gebremst werden sollte und zwar zum Wohl der Menschen, die hier leben und arbeiten. Stimmen Sie mit "NEIN"!


  • Axel Mayer, Geschäftsführer / BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Endingen
  • Brigitte Denter / Endingen
  • Barbara Schmidt / Endingen
  • Dr. Henner Wenzel, Vorstand / BUND Nördlicher Kaiserstuhl, Endingen



Weitere Informationen zum Thema Flächenverbrauch finden Sie Hier


Eine schöne "Endinger Stadtbeschreibung" finden Sie Hier
  • Klima, Klimawandel auch in Endingen. Wird der Kreis Emmendingen zum Klima-Krisengebiet?



    Aktueller Einschub (auch wenn´s in Endingen nicht um Wohnbebauung sondern um Gewerbegebiete geht):

    Umwelt gegen Soziales?


    Den GegnerInnen des Flächenverbrauchs und der Naturzerstörung wird gerne Egoismus vorgeworfen. Sie seien gegen "die Minderheiten" und gegen "das Soziale". Wer in der selbsternannten Ökoregion am Oberrhein Umwelt gefährden und Natur zerstören will, der muss diese Pläne im Zeitalter von Greenwash heute immer sozial und ökologisch parfümieren.

    Doch "die Minderheiten" und "das Soziale" werden beim Thema Flächenverbrauch gerne vorgeschoben um vollkommen andere Interessen (Spekulation...) zu verbergen. In der Realität wird zumeist nicht für die "die Minderheiten" und "das Soziale" gebaut, wie neue Studien zeigen.
    Das ARD-Magazin Panorama hat mit Hilfe der "empirica-systeme Marktdatenbank" Hunderttausende Wohnungsangebote aus mehr als 100 Datenquellen zwischen Mai 2015 und Mai 2016 ausgewertet. Das Ergebnis ist verheerend: Der private Wohnungsbau, auf den die Politik ihre Hoffnungen setzt, schafft so gut wie keine bezahlbaren Mietwohnungen. 95,3 Prozent der privaten Neubau-Wohnungen in den 20 größten deutschen Städten sind für die Mehrheit der deutschen Mieter nicht bezahlbar." (Zitatende)
    Quelle: Panorama



    Nachtgebät vume Burgermeischder


    und vun de Mehrzahl von de Gmeindsrät
    (nid nur z Ändinge)


    Herr, schaff uns Parkplätz, schaff uns Schtroße!
    Kaufhieser schick uns, Banke!
    Ä Stadtverkehr, ä lütte, große,
    mir wänn`s dir danke!

    Loß d`Gwerbstierquelle nie vertrogne.
    D’Alage asphaltier uns,
    loß d`Zueschüß regne, die versprochne,
    zur Großstadt führ uns!

    Herr, nimm uns d`Bäum un schenk uns Ample!
    Loß Schilder wachse n uf de Plätz!
    Schütz uns vor dene, wo bleed ummehample,
    vu Läbe, Menschsii schwätze!

    Für sälli Sorte loß uns Ghetto mache,
    schön pflaschtret, Biotöpli, Brunne.
    Dert loß sie ihri Träumli backe,
    un mir hän`s gwunne!

    Herr, loß uns Ämter, Ämter baue,
    Rothieser hoch un hecher!
    Därfsch`s gnädig vun dert obe schaue:
    Mir sin dir necher!


    ziemlich frei nach Manfred Marquardt (1927-1982) aus dem Hochrheinalemannisch übertragen



    Endingen: Bürgerentscheid am 18.9. & die Explosion des Flächenverbrauchs



    Endingen: Bürgerentscheid am 18.9. & die Explosion des Flächenverbrauchs












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    Dieser Artikel wurde 2657 mal gelesen und am 19.5.2018 zuletzt geändert.