Breisach / Amsterdam und das Salz im Wasser - Unterschiedlicher Umgang mit dem Thema
03.07.2000
Die Breisacher Wasserwerke und damit auch die BürgerInnen der Stadt haben ein Problem. Das Problem heißt Salz und die Ursachen sind bekannt.
Hauptverursacher sind die französischen Kaliminen, aus deren Zwischenlagerbecken auf der Fessenheimer Rheininsel eine Million Tonnen Salz versickert sind (siehe Anlage). Die Spitze dieser Versalzung ist zwischenzeitlich in Breisach angekommen und schafft dort die aktuellen Probleme. (siehe u.a. die BZ vom 16.6.00) Die Folgekosten dieser Probleme tragen die Breisacher BürgerInnen, obwohl die Verursacher bekannt und noch zahlungsfähig sind.
Einen anderen, mutigeren Weg ist die Stadt Amsterdam gegangen, die Probleme durch die Salzeinleitungen der oberelsässischen Kaligruben in den Rhein hatte. Die Salzwerte im Rhein waren wesentlich geringer als die, welche jetzt in den Breisacher Tiefbrunnen gefunden werden. Amsterdam hat gegen die Rheinversalzung geklagt und vom Straßburger Verwaltungsgericht jetzt Recht bekommen. Wegen salzbedingten Korrosionsschäden am Leitungsnetz müssen sieben Millionen Mark Schadenersatz an den Amsterdamer Wasserversorger gezahlt werden. Durch den Druck der Klage wurden die Salzeinleitungen in den Rhein verringert, also auch ein Fortschritt in Sachen Umwelt erreicht.
Wenn ein Bürger mit seinem Auto im Breisacher Wasserschutzgebiet Altöl ablassen würde und der Wasserversorger müsste auf neue Brunnen oder oberflächennahes Wasser ausweichen, dann würde ihm neben der Strafverfolgung auch eine massive Schadensersatzforderung durch die Stadt drohen.
An die bekannten, zahlungsfähigen, aber auch mächtigen Hauptverursacher des Problems, die elsässischen Kaliminen aber traut sich die Stadt Breisach scheinbar nicht heran. Gesetze und Recht gelten aber nicht nur für die kleinen Umweltsünder, sondern eben auch für Firmen, die eine Million Tonnen Salz ins Grund- und damit Trinkwasser versickern lassen. Amsterdam hat die Probleme erkannt und ist sie mutig angegangen.
Verdrängung ist der falsche Weg, um in Europa den Fortschritt in Sachen Umweltschutz voranzubringen. Und es gehört auch zur europäischen Normalität den Nachbarn gleichzubehandeln. Im Guten wie im Schlechten.
Axel Mayer hier: mehr Infos zum Salz im Grundwasser
Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg
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